Kongopost

Kongopost 103

Richard hatte wieder eine Mitfahrgelegenheit in einem Boot auf dem Loporifluss, wo er die Dschungelgemeinden für Diakonie und mehr Nächstenliebe animiert hat.
In solcher Urwaldeinsamkeit hört man ein Motorboot schon lange bevor es da ist, und alle wollen dann sehen, wer da wohl kommen mag. Man wohnt da dermaßen schlicht und ökologisch einfach, dass richtige Europäer sich das gar nicht vorstellen können. (Wohnen ist aber auch nicht das richtige Wort.)

Richard hat da bei Jean Paul übernachtet. Der hatte gerade ein ganz neues Einfamilienhaus aus Knüppeln, Lianen und Palmblättern gebaut. Er stammte aus unserm Nachbardorf Bakungu und ist mein Patenkind. Das bleibt er, auch wenn wir uns lange nicht mehr gesehen haben. Jean Paul hatte mal Frau und Kind im Stich gelassen, um hierher zu flüchten oder so. Gras wachse über dieser Geschichte!

Jean Paul gehörte in Bakungu zu den Holzfällern und Brettersägern. Das waren lauter harte Jungs, die da unter der Äquatorsonne schufteten, die aber auch sämtliche Sünden hatten. Ich war da Kunde, und wenn ich nach Bakungu fuhr, war das wie Krieg. Wenn einer mal zwei Bretter trug, war das untere garantiert fehlerhaft. Sie betrogen beim Geldzählen – der Kurs war 1 DM : 2.000.000 Zaïres. Wenn ich abfuhr, probierten sie, mir schnell noch ein Brett vom Auto runter zu ziehen. Aber ich hatte den Rückspiegel, und wenn ich dann raus sprang, habe ich mich fast immer total ungläubig benommen. Missionar zu sein ist ja viel schwerer als man hier denkt.

In Bakungu gab es damals zwei alte Christen, die trösteten mich dann schon mal. Glücklicherweise hatte Gott aber nicht nur mich da, sondern auch Papa Louis, der damals anfing, öfter in Bakungu zu predigen, dass der Gott der Liebe die Brettersäger und alle liebt und jedem vergibt, was der auch angestellt hat. Ich habe gesehen, wie sich alle bekehrten. Sie reparierten die Kapelle und gründeten einen Chor. Bakungu wurde wirklich Himmel und Pastor Benji taufte alle. Das rechte Foto zeigt, wie ich Jean Paul damals aus dem Wasser geholt habe.

Aber Himmel oder Paradies bleibt ja nicht immer auf der Erde, und als sie wieder mit Marihuana anfingen, kam der alte Rhythmus auch wieder ins Dorf. Damals ist mein Patenkind, Jean Paul, plötzlich für immer da abgehauen.
Allerdings ist sonntags jetzt immer noch etwas Gottesdienst in Bakungu.
Jetzt schickte Jean Paul mir durch Richard einen Brief, dass das Leben da im Dschungel echt hart ist. Wenn ich ihm eine neue Säge besorgen würde, könnte er mit ein paar Kumpels da eine Sägerei eröffnen, und es ging ihm sicher besser.
Er hat vier eigene Kinder und versorgt, in Jesu Namen, noch vier Waisenkinder, deren Eltern gestorben sind. Zuletzt schrieb er: „Jesus ist bei mir im Herzen!“

Gut, dass Gott auch auf krummen Linien gerade schreiben kann, sonst wäre die ganze Tauferei Quatsch, und für Jean Paul und mich sähe es hier echt schlecht aus.

Aber, selig sind, die geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Matthäus 5,3

Jean Paul und ich, wir kommen da rein!!!
So einfach ist das. Gruß, Peter.
gohlep[ät]web[punkt]de

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