das Leben

„Weil ich dir vertraue, traue ich mich“

Die Überschrift ist aus dem Lied „In deinem Haus“ von Könige & Priester, deshalb die Gänsefüßchen.

Dass Gott mir reinreden darf in Sachen Identität, ist für mich inzwischen selbstverständlich. Seit ich vor bald 20 Jahren mit der Suche nach meiner Identität angefangen habe, hat er mir immer wieder Rückmeldungen über mich gegeben oder ganz neue Eigenschaften in mir hervorgerufen.
Dabei haben sich die Zusagen nicht nur mit den äußeren Lebensumständen entwickelt, sondern auch in dem Maß verändert, wie sich mein Vertrauen zu ihm vertieft hat.

Wenn ich mir überlege, wie ich früher leben wollte und mit dem vergleiche, was mich heute umgibt, kann ich mich nur wundern. So viel Leben hätte ich selbst für mich nie eingeplant und mir gar nicht zugetraut. Zum Beispiel glich meine Einrichtung in den ersten WG-Zimmern eher einer kargen Mönchszelle, einfach weil ich es reizarm brauchte. Heute lebe ich in einem Haus mit dem Motto „Hauptsache bunt“.
Bevor ich Kinder bekam, wollte mich vor allem mit Schönem umgeben und brauchte viel äußere Struktur. Heute umgibt mich auch ganz viel Schönheit, allerdings in anderer Weise als gedacht. Ich habe äußere Struktur durch Schule und Arbeit und gleichzeitig so viel Unvorhergesehenes, Chaotisches. Weil mein Wert aber nicht mehr so stark von äußeren Umständen abhängt, kann ich das gut aushalten. Ich freue mich über meine Flexibilität und Freiheit, mich immer wieder auf ganz neue Situationen einzulassen und sie mit Hilfe des Heiligen Geistes zu meistern.

Je mehr Jesus meine Sicherheit wird, desto mehr schälen sich auch strahlende und lustige Facetten meiner Persönlichkeit heraus. Zum Beispiel schenkte Gott mir durch eine väterliche Person das Adjektiv „wild“, was ich bis dahin weniger mit mir in Verbindung gebracht hatte und wenn dann als negative Eigenschaft. Ich will diesen Charakterzug aber gerne in mein Leben integrieren, wenn Gott das an mir liebt, auch wenn ich bisher nur eine Ahnung davon habe, was es für mich bedeutet. Es heißt auf jeden Fall, Kontrolle loszulassen und seinem Schutz zu vertrauen.
Andere, zerstörerische Facetten müssen gehen, wenn Gott mehr und mehr in meine Herzenswohnung einzieht. Beschrieb ich mich mit Anfang 20 noch als sehr perfektionistisch, weiß ich heute, dass Perfektionismus ein Hoffnungskiller ist und giftig noch dazu.

Es ist so, als würde ich mich zunehmend in Gott verlieren und dadurch mehr Lebensqualität bekommen. Mein Charakter wird vielfältiger und stärker und gleichzeitig unwichtiger, weil mein Wert nicht mehr darin begründet liegt. Ich kann besser über mich selbst lachen und peinliche Momente aushalten ohne an meinem Wert zu zweifeln.

Auch Bedrängnis von Außen kann ein wirksames Katapult in eine gefestigte Identität sein. So gab es in meinem Leben immer wieder Frauen, die mich sehr herausgefordert haben. Ihr Verhalten mir gegenüber empfand ich als ungerecht und ich hörte bei ihnen die Botschaft, dass ich nicht genüge. Erst im Nachhinein kann ich sehen, dass sie Geburtshelfer waren für den Charakter, den Gott sich ausgedacht hat. Sie haben mich dazu gebracht, in kleinen Schritten auf die Suche zu gehen, wer ich eigentlich bin und was mich als Person ausmacht. Einfach weil sie einen Widerstand in mir hervorgerufen haben, der langfristig nützlich für mich war. Nicht sie haben mich geformt mit ihren Einschätzungen von mir. Gott selbst hat mich durch seine Gedanken geformt und gebildet. Allerdings musste er das teilweise aus mir herauskitzeln und dazu nutzt er auch mir unangenehme Situationen.
Viele Begegnungen mit Menschen, die mich mit Lügen über mich oder Gott belastet haben, hätten mich trennen können von ihm. Sobald ich mich aber in diesen schweren Momenten auf Gott geworfen habe, hat es mich nicht von ihm entfernt – ganz im Gegenteil. Es hat mich mit ihm zusammengeschweißt, untrennbar mit ihm verbunden. Zum Beispiel wurde und werde ich hin und wieder verächtlich als Streber bezeichnet. Als ich Gott allerdings fragte, was er über diese Aussage und Eigenschaft denkt, hörte ich nur Gutes. Wir haben das Wort zusammen umgedeutet.

Für 2019 hatte ich mir von Gott gewünscht, es genießen zu können, für Menschen klein und unwichtig zu sein, weil das Wissen immer tiefer in mich hinein sackt, dass ich für Gott mega wichtig bin. Ich wollte meine Unabhängigkeit von Menschen feiern, indem ich mich unter Gottes mächtiger Hand berge und verstecke.

>>> siehe Petrus 5,6-7:
So demütigt (=kuschelt, bergt, versteckt)
euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, dass er euch erhöhe zu seiner Zeit.

Nun ist das Jahr fast zu Ende und ich kann schon Positives berichten:
Wie ich es von meinem himmlischen Vater erwartet hatte, wurde es unangenehm. Denn ich wollte ja etwas Neues lernen und er bringt mir gerne neue Dinge bei. Dafür musste ich mutig aus meiner Komfortzone rauskommen und wieder Kontrolle an ihn abgeben. Ich habe geschwankt, bin gestrauchelt; aber es gelang mir, ich bin gewachsen und noch nicht fertig damit.
Und wie ich es von ihm erwartet hatte, war es total angenehm. Denn er hat mich bestätigt, ganz viel Glück geschenkt, seine Treue zu mir neu gezeigt, mein Vertrauen in ihn und meine Wurzeln gestärkt. Und er hat meine Beziehungsqualitäten verbessert, denn lustigerweise kann ich umso mehr Nähe zu Menschen zulassen, je emotional unabhängiger ich von ihnen werde.

Diesen Text hat Michaela Roth mir zur Verfügung gestellt, vielen Dank!
Sie hat beruflich schon länger mit Fasern und Geweben zu tun. Zunächst in der Modeindustrie und inzwischen faszinieren sie vor allem Muskelfasern und Bindegewebe. Du findest sie auch bei Instagram.

Der Text ist bereits erschienen in der Korrekten Bande, dem Magazin der Jesus Freaks. Dort war es in Ausgabe 5/2019, Titelthema Identität

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