Ermutigung

LOVEmber 2020 #22

Heute ist Toten- oder Ewigkeitssonntag, und die Frage zum Tage lautet:
was bedeutet mir Ewigkeit?

Ewigkeit umfasst einen langen Zeitraum. Der Lateiner lädt mit „sub specie aeternitatis“ ein, langfristig zu denken, über das Morgen und Übermorgen hinweg, über alltägliche Sorgen und Aufgaben hinauszuschauen.
Ewigkeit, das ist von jetzt an bis zum Ende – und dieses Ende wird nicht durch das Enden meiner Endlichkeit bestimmt. Das Christentum ist nicht die einzige Religion, die mit einem Leben nach dem Tod plant. Du kannst auf Erden wählen, ob du lieber als höhere bzw. niedere Kreatur wiederkommst, ob dich 99 Jungfrauen und andere Vergünstigungen erwarten oder ob du mit einem Halleluja auf den Lippen ins ewige Jerusalem einziehst (das ist jetzt alles sehr plakativ entworfen, auf Einzelheiten gehe ich vielleicht ein andermal ein). Ich bin kein Experte für Weltreligionen, die anderen haben sicher ähnliche Produkte im Angebot.

Ich plane auch mit der Ewigkeit. Mehr als die Frage, „gibt es ein Leben nach dem Tod?“ treibt mich aber „gibt es ein Leben vor dem Tod“ an. Was brächte es, das ganze Leben am Jenseits auszurichten, und dabei die knapp 80 Jahre des Diesseits zu verpassen? Und bei mir ist die Hälfte der statistischen Lebenserwartung ja schon um! Ran ans Leben?! Immerhin wird es ja einen Sinn haben, dass meine 80 Jahre jetzt stattfinden und nicht im Jahre 1272 oder 2127?! (um zwei willkürlich gewählte Zahlen zu nennen)

Die Bibel sagt, mach langsam, es gibt keinen Grund, das Leben zu überstürzen. Alles hat seine Zeit. (Buch Prediger ab Kapitel 3).
Und sie sagt, hab keine Angst. Möglicherweise ist das die häufigste Aussage in der Bibel, zB in Jesaja 43,1: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wie damals im Sportunterricht hat er dich in sein Team gewählt.
Die aus meiner Sicht dritte wichtigste Ansage zur Lebensgestaltung hat Josua 1. Ich habe sie schon hier und da im alten und neuen Vorgartenblog zitiert und tue es gerne noch einmal: sei tapfer und entschlossen und lass dich nicht beirren, denn der Herr, dein Gott, ist bei dir. In Prinzip ist es das „Fürchte-dich-nicht“ in der deLuxe-Version. Dein Anteil: tapfer und entschlossen und unbeirrbar. Sein Anteil: Anwesenheit, Teilhabe, Hilfe in kritischen Situationen (das steht nicht im zitierten Vers 9, sondern verteilt aufs ganze erste Kapitel). Ein Gott, der verspricht, an deiner Seite zu sein!
Wo gibts denn sowas?!

Beim Spazierengehen hier im katholisch geprägten ländlichen Sauerland fand ich dieses kleine Gebäude – ich weiß gar nicht, was es ist, steht hinterm Fensterladen eine Marienfigur, der man eine Fürbitte-Kerze anzündet? Lagern Knochen darin? Oder dient es nur der Zierde?
Der Toten- oder Ewigkeitssonntag hat ja evangelische Tradition. Die Katholiken gedenken ihrer Toten an Allerheiligen. Vielleicht sind heute deshalb keine Grablichter und Kränze unterm Dach abgestellt.
Im Giebel steht:

Durch Fürbitt Sancte Agathe,
halte unsz Gott beständig frey
von Feuerbrunst und Donnerschlag
und wasz unsz sonsten schaden mag.
Johann Jorgen Schickhoff und Johana Wiese, Eheleute,
haben dies zu Gottes Ehre und seine lieben Heiligen auffrichten lassen.
Anno 1744

ich mag diese Schreibweise

.
.
.
Ich wünsche dir ein entspanntes Diesseits und ein frohes Jenseits.

2 Kommentare zu „LOVEmber 2020 #22

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