alles, was nirgends sonst reinpasst

Nimm mir nicht mein Bett!

Das sagt dir jeder Bach und jeder Fluss, den du umleiten, eindeichen oder in Rohre pferchen willst. Ein natürliches Fließgewässer ist nicht nur Wasser, das dem geringsten Widerstand folgend irgendwo hinfließt, es hat sich sein Flussbett in vielen Jahrhunderten erarbeitet und es hat ein Gedächtnis. Nimmst du ihm sein Bett, wird das Wasser auch an anderer Stelle schön aussehen können, aber es wird nie seine alte Fließrichtung vergessen. Das kannst du an leergelaufenen Teichen und Talsperren beobachten: die speisenden Gewässer fließen nicht schnurstracks durch den schlammigen Untergrund, sondern nehmen ihre alten Kurven und Umwege wieder auf.

Ein besonders eindrückliches Beispiel ist dieser Tage die Inde, mit 54,1 km Länge ein eher kleines Gefließ. Sie kommt vom Hohen Venn herab durch die Eifel, wird am Tagebau Inden umgeleitet in eine künstliche Gewässeraue mit Kiesbänken und viel Platz zum Mäandern (alles, was so ein Bach sich wünschen kann in unserer strukturierten und aufgeräumten Landschaft, sollte man denken) →

… und mündet schließlich in die Rur. Die schnurgerade Linie rechts im oberen Bild markiert die Kante zum Tagebau Inden.
Im folgenden siehst du die Inde dann aus südlicher Richtung auf Lamersdorf zukommen →

beides sind Screenshots aus Herrn Guggels großem Atlas, dieser hier von mir bearbeitet

und an den Tennisplätzen nach Westen abbiegen – wozu die Eindeichungen sie zwingen.
Die orangene Pünktchenlinie zeigt ihr altes Bett, das in den Karten von Herrn Guggel gut zu erkennen ist.
Und unten siehst du, wie gewaltsam „die kleine Inde“ ihr altes Bett zurückerobert hat.

Merk dir das.
Fließgewässer umleiten, eindeichen oder in Rohre pferchen rächt sich irgendwann. Es muss bloß mal mehr regnen als gewöhnlich. Und das soll ja in Zukunft häufiger passieren.


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Liebe RAG, Braunkohle rentiert sich doch gar nicht mehr und ist in gleich mehrfacher Sicht klimaschädlich.
Hat unser Klimawandelexperte Laschet euch davon noch nichts gesagt?
Lasst der Inde ihr altes Bett, füllt das Loch auf, so gut es geht … und macht einen Bootsführerschein.

2 Kommentare zu „Nimm mir nicht mein Bett!

  1. So ist das auch 2002 in Dresden passiert. Kleines Bächlein, dass man eben mal umgeleitet hat um da ein Bahnhof hinzubauen. Und nach ein paar Jahren dachte dann das Bächlein, ich werde ein reißenden Fluss und fließe genau durch den Hauptbahnhof!

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