Kongopost

Kongopost 104

Pädagogik im Kongo.
Die Lehrerinnen der Schule für Straßenkinder schreiben schon mal von ihren Problemen. Da habe ich geschrieben, dass es hier auch Problemkinder gibt und habe von Eltern berichtet, die über ihr Kind nicht nur traurig sind.
Directrice Fifi hat dann aus dem Kongo geschrieben:

Deine Geschichte hat mich richtig traurig gemacht. Mit den Händen können wir ja kein Kind festhalten, aber mit unserm Glauben und mit unserm Gebet. Gott hört uns doch, und er sieht auch den Jungen von dem du da schreibst. Ganz neu wird er mal zurückkommen, wie der verlorene Sohn in der Bibel. Sag diesen Eltern, dass sie für ihr Kind nie die Hoffnung aufgeben sollen. Bei Gott ist wirklich Hilfe.

Die wilden Straßenkinder in unserer Schule haben alle ganz unterschiedliche Probleme. Vor zwei Jahren hatten wir Josephine, die immer genau das Gegenteil von dem machte, was sie sollte.
Sie stritt mit den anderen Kindern und beschimpfte uns Lehrerinnen ganz schlimm. Mado wollte sie nicht mehr in ihrer Klasse haben, aber Fatou liebte Josephine irgendwie und ich konnte ihr auch nicht wirklich böse sein.
So haben wir alles getan, dass sie trotz allem doch noch etwas Schreiben, Lesen und Rechnen lernt. Zudem haben wir immer wieder für sie gebetet.
Und Gott hat ihr nachher wirklich geholfen, denn sie bekam in einem der kleinen Restaurants eine Arbeitsstelle. Da hat sie allerdings auch nur Quatsch und sich unbeliebt gemacht. Aber ihr Chef mochte sie trotz allem, denn sie war nicht faul und sie konnte sogar rechnen.
Als der Chef dann mal verreisen musste, hat er ausgerechnet Josephine als seine Vertretung eingesetzt, weil sie als einzige die Kasse führen könnte.
Als er zurückkam, fand er die Kasse in Ordnung, aber Josephine hatte zwei Mitarbeiterinnen entlassen. „Die haben mir nicht gehorcht, darum habe ich sie rausgeschmissen“, war ihr Argument. Auf die Frage, warum die denn ungehorsam waren, antworteten die: „Josephine macht doch auch nur was sie will und passt sich keinem an. Man kann doch niemand gehorchen, der selbst ungehorsam ist!“
Das hat Josephine getroffen, und sie hat sich zuerst bei ihrem Chef und dann, der Reihe nach, bei allen Kollegen entschuldigt.
Und gestern ist sie zu uns in die Schule gekommen und hat uns um Vergebung für alle ihre Bosheit gebeten. Zuletzt haben wir alle zusammen vor Freude geweint und haben nachher Gott gedankt, dass wir Josephine nicht haben fallen lassen. Ihr Leben wäre ja für immer verdorben worden.

Gott hat unsere Herzen gesehen und unser Gebet erhört, und es gibt jetzt schon mehrere Menschen, die Josephine echt lieb haben.
Ich Fifi.

alles, was nirgends sonst reinpasst

dreimal Doku für den Klimaschutz (im direkten und weiteren Sinne)

Ich schau gerne Dokus an. Am liebsten über Natur und Tiere und so, da kann ich immer so schön staunen. Als Kind hatte ich Sorge, dass eines Tages alles „ausgeforscht“ wäre und dann nichts mehr übrig sei. Heute weiß ich, dass das niemals passieren kann, die Welt ist viel zu komplex und wunderbar. Mein Kompliment an ihren (und meinen) Erfinder!

Diesmal habe ich bewusst kurze Beiträge gesucht und bin bei folgenden Themen des „Report München“ (ARD) vom 19.03.2019 hängen geblieben:
über die neue Lust am Protest,
über Gemüse aus Sizilien und seine Auswirkungen und
über neue Strategien gegen Überbevölkerung.
Alle drei kannst du noch bis zum 19.03.2020 anschauen; möglicherweise ändert sich aber ihr Speicherort in der Mediathek, da müsstest du dann selbst auf die Suche gehen.

Der Bericht über die Demonstrationen der Schüler fürs Klima hat mich am meisten beeindruckt. Entgegen diversen Aussagen/Beschuldigungen eines meiner „Lieblingspolitiker“ von der FDP schwänzen die Kinder nicht den Unterricht, sondern sie opfern ihre Zeit, damit wir Erwachsenen nicht länger ihre Zukunft und die nachfolgender Generationen opfern. Die Resonanz ist überwältigend – 5.000 Schüler waren erwartet, mehr als 20.000 kamen! Das muss man sich erst mal vorstellen.
Ja, sicher sind auch Schüler dabei, die demonstrieren, weil es cool ist oder weil sie keinen Bock auf den Unterricht haben, ebenso wie einige nicht dabei sind und in der Zeit andere Dinge tun, auf die sie mehr Bock haben.
Aber welche Öffentlichkeit würden die Kinder und Jugendlichen erreichen, wenn sie (wie vom oben erwähnten Politiker angeregt) nach der Schule oder am Samstag auf die Straße gingen? Welcher Arbeitnehmer würde nach Feierabend für mehr Geld oder bessere Arbeitsbedingungen streiken? So engstirnig kann man das Engagement wahrscheinlich nur verurteilen, wenn man … ach, ich sag seinen Namen nicht. Keinen Bock.

Musik & Film

Ein Schwein namens Bronski

Wie sich mittlerweile rumgesprochen haben dürfte, habe ich eine Schwäche für:

  • schräge bis groteske Filme mit hintersinnigem Humor
  • Kurzfilme
  • stille und weite Landschaften
  • Schauspieler, die sonderliche Dinge mit ihrem Gesicht anstellen können und solche, die vor keiner Verwandlung zurückschrecken

In dem glücklichen Fall, dass alles auf einmal zusammentrifft, bin ich kaum zu halten. Und wenn einer der Teilnehmer dann auch noch Hinnerk Schönemann ist, kann die Nacht lang werden und es bleibt nicht beim einmaligen Angucken.
Du kannst dir sicher vorstellen, was „Nord bei Nordwest“ (inzwischen acht Filme in der ard) mit mir macht, wo stille und weite Landschaften die Kulisse bieten für allerhand schräge Ideen von Drehbuch und Regie, die dann u.a. von Marleen Lohse und dem ausgesprochen gesichtsagilen* Hinnerk Schönemann umgesetzt werden. Ein Fest!
Das Vorgartenkino zeigt allerdings heute keinen schwerelosen Schwanitzer Schwank, sondern Klytæmnestra Pocket, in dem du die kryptische Überschrift irgendwann wiederfinden wirst. Schau nur genau hin.

Schräglich schön.

Apropos Drehbuch und Regie.
Es gibt solche kongenialen Teams, bei denen alles passt. Die Herren Graf und Basedow zum Beispiel. Die sich gerne immer dieselben Schauspieler aussuchen, zB Zehrfeld und Tscharre, weil sie mit ihnen schon so manchen Kilometer Filmrolle auf- und abgewickelt haben und jeder vom anderen weiß, wie er/sie denkt und Text (oder dessen Fehlen) in Bewegung umsetzt.
Oder halt Holger Karsten Schmidt und Markus Imboden, bei denen ich mich manchmal wundere: wie, sie haben einen Film gemacht und Hinnerk Schönemann war nicht dabei?
Im vorliegenden Werk ist es andersrum. Geht natürlich auch. Ist dann aber ohne Insiderspäße und all die schönen Schnittmengen der gemeinsamen Filme.


*= ich weiß nicht, ob es das Wort gibt. Es entstammt meiner Wortschmiede.

Heiße Liebe!

ach, ihr Fleißigen.

6.3., Mamaabba informiert: I just called to say I love you. (Fein. Les ich später.)
7.3., Veronika Smoor informiert: Der düstere Schwarzwald und das bunte Freiburg. (guck an, in Freiburg war der Bruder auch gerade noch.)
13.3., Veronika Smoor informiert: Ja-Tag! (Moment … sie hat doch erst gestern…? Nicht ganz. Sie schreibt im Wochenabstand.)
13.3., Mammaabba informiert: Bettina – „Rausausderaffenfalle“
13.3., himmlisch geerdet informiert: Fokussiert!? (äh, fokussiert … was ist das?)

Ihr Lieben schreibt alle so fleißig und bei mir gibts seit Wochen nur Konserven und Aufgewärmtes und ich komm nicht mal dazu, bei euch zu lesen! … Aber das wird besser. Den Veröffentlichungsabstand einiger Jahre im alten Vorgarten (jeden Tag ein Text – einer!) werd ich nicht mehr einführen, aber ich merke, dass es aufwärts geht; dass die Depressionen ihre Macht über meinen Alltag verlieren.

Weil mich die Überschrift von Mammaabba vom 6.3. so an eine Begegnung mit Gott erinnert, erzähl ich dir diese Geschichte. Die ist schon ziemlich alt, aber nicht aufgewärmt: sie kommt heute frisch auf den Tisch – nachdem ich sicher fünf Minuten am Passwort und der zugehörigen Emailadresse gewerkelt und gewürgt habe, um zielführende Stichwörter in meinen alten Vorgarten eingeben zu können, ob ich schon mal darüber geschrieben habe – und feststellte, dass das nicht so ist! Warum will dieser Bloggerpenner auf einmal mein Passwort wissen, er kennt mich doch seit August 2007!?!

Have I told you lately that I love you?

Dieses Lied verträgt bei mir nur eine einzige Stimme: das rostige Reibeisen von Rod Stewart. Hier habe ich eine mittlerweile recht antike Version aufgestöbert, ab und an eine charmante Nuance am richtigen Ton vorbei (wer ist schon perfekt) und versetzt mit portugiesischen Untertiteln.

Das kam so … Ich war gerade mal wieder am Umziehen und renovierte in der völlig versifften Bude vor mich hin und diverse Menschen, die versprochen hatten zu helfen, sagten einer nach dem anderen ab. Ich war so sauer! Warum sagen sie zu, wenn sie dann keine Zeit/keinen Bock/keinen Babysitter oder weißderGeier was sonst haben oder nicht haben?!
Und dann, im Radio, ohne Ankündigung, meldet sich der Högschde zu Wort. Spielt dieses Lied für mich.
NUR für mich.
.
Alles auf Null.
Emotionen rausgelassen. Ihm den ganzen Rotz ausgebreitet. Wie verletzt ich bin. Wie sehr es mich stört, dass ich spontan mithelfe, wenn noch ne Hand gebraucht wird, aber die anderen sich nicht ein bisschen mehr Mühe geben können oder lieber nicht erst zu- und dann absagen sollen, sondern es vielleicht andersrum regeln können, erst absagen und später motiviert auf der Matte stehen. Und so weiter und so fort.
Gibst du mir den Frust, hat er gefragt. Ja, hab ich gesagt.
Er hat seinen Sohn angerufen und herbeordert. Der ist im Erstberuf Handwerker gewesen. Und wir haben gemeinsam Tapeten gezupft und Fußleisten geschrubbt und beschlossen, dass die nächste Wohnung a) keine Raucherwohnung sein solle und b) gerne frisch renoviert sein könne.
Genauso ist es dann gekommen beim bisher letzten Umzug.

alles, was nirgends sonst reinpasst

alle 11 Minuten ist ein Frauentag vorbei

Ich hätte diese Bilder ebenso gut selbst knipsen können, es gibt genug und die in der Stadt unterscheiden sich in Nichts von denen, die ich bei der Elf-Minuten-Singelbörse gescreenshottet habe. Aber in der Stadt war kein fotogenes Wetter oder die Ampel sprang auf Grün oder die Gruppe Teenager schaute sowieso schon seltsam herüber, da wollte ich nicht noch ein Foto machen.

Die Einteilung der Verpaarungswilligen nach Geschlecht wurde höchst willkürlich von mir vorgenommen, um dich mit nachfolgenden Fragen zum Nachdenken zu bringen.

Oder, wenn du schon mal darüber nachgedacht hast, um dir zu zeigen: du bist nicht allein.

Warum tragen die Damen fast ausschließlich schulterfrei und tief ausgeschnitten, eine sogar bloß ein Hemdchen, das sie im Bett tragen könnte, während die Herren sich in „anständiger“ oder zumindest jahreszeitlich angepasster Kleidung präsentieren?
Was sagt das über unser Frauen- und Männerbild aus?

Den Fokus auf andere Äußerlichkeiten gelenkt: Warum gibt es keine Kurzhaarige in der Werbung? Was ist mit den langhaarigen Männern und denen ohne Bart?
Warum dürfen Brillenträger:innen und die sommersprossenverzierten Rothaarigen nicht mitmachen? (Dürften sie, schlussfolgere ich, wären sie ja abgebildet in diesem angeblichen Querschnitt unserer Gesellschaft, der suggerieren soll, dass jede und jeder sein Glück findet, nämlich alle elf Minuten.)
Was ist mit den Leuten, die nicht ganz so nord-, mittel- und westeuropäisch aussehen?
Und wo sind all die vielen Menschen, die hier und da ein paar Pölsterchen mit sich herumtragen, sind die gar nichts wert? Nicht mal liebenswert?

Über Parship hab ich auch schon mal im alten Vorgarten nachgedacht, da war aber nicht Weltfrauentag. Bei dem gabs zwei Jahre zuvor schöne Musik.

kurioses

wenn ich …

wenn ich mich als Schneiderin selbstständig machen wollen würde, würde ich natürlich einen eigenen Stil entwickeln und eine Modelinie entwerfen, wie das immer so schick heißt. Die hauptsächlich verwendeten Farben würden sich auf dem Farbkreis zwischen bläulichem lila und grünlichem Gelb befinden. Mein Label würde

Kaspers Frau

heißen, denn die Redewendung besagt bekanntermaßen: „grün und blau trägt Kaspers Frau“. Warum dabei die Konnotation negativ ist – und wie Kasper zu einer Frau mit so erlesenen Geschmack kommt, weiß ich nicht. Die Frau ist jedenfalls für ihre Farbwahl zu beglückwünschen.

kurioses

mal kurz über die Sprache gestolpert

[…] Eigentlich kann ein Tag nicht besser anfangen. Na ja, er könnte damit anfangen, dass der Schatz nicht schimpfend aus dem Zimmer rennt. Wahrscheinlich war er zu spät auf der Arbeit. Das tut mir leid. Sex am Morgen geht also leider nur noch am Wochenende. Dabei sieht er gerade morgens nach dem Aufwachen so besonders …

… ähm, unwiderstehlich aus? Nee, warte, das ist, wenn sich einer nicht benimmt. Oder … ach nein, das ist unausstehlich!
Verflixte, schöne deutsche Sprache!
Ich umschiffe die Klippe geschickt:

… so besonders knackig aus, an Körper und Geist erfrischt; kein Wunder, dass ich ihm nicht widerstehen konnte!

Es ist tatsächlich so, dass ich nicht immer sofort bei jedem Wort weiß, was es haargenau bedeutet (ich sach nur „scheinbar“ und „anscheinend“), aber wozu gibt es schließlich all die anderen schönen Wörter, wo sich auch immer eins findet, das das gleiche bedeutet?