Blöömscher

ornamental voll daneben

ja, man kann gestalterische Mittel bei der Pflege von Grünflächen anwenden und damit schöne Ornamente schaffen. Aber besser nicht mit Rasendünger in einer öffentlichen Grünanlage, die noch dazu zu einer Landesgartenschau gehört. Peinlich.

Deswegen ist es so wichtig, Dünger (ebenso Kalk, Blumenwiesen- oder Rasensamen, …) gleichmäßig zu werfen. Das fängt schon damit an, wie ich die Hand halte und meinen Arm bewege.
Oder halt doch ein Streuwägelchen verwende.

Lesestoff

Ich habe ihn nicht verraten.

Bei euch Christen und den Juden habe ich einen schlechten Ruf, ihr nennt mich eine geldgeile Verräterin. Aber ich habe nicht aus Berechnung gehandelt.

Ich hatte diesen stattlichen Kerl kennen gelernt und es war Liebe auf den ersten Blick. Bei uns beiden. Das Problem daran: unsere Völker waren seit Jahrhunderten verfeindet. Mal waren seine Leute mächtiger und machten unser Land platt, gerade war es andersrum. Leider teilten sich beide Völker denselben kleinen Streifen Land, sodass es immer wieder zu Konflikten kam, und das ist bis heute so geblieben.
Samson ging ein hohes Risiko ein, um mich zu sehen. Aber er hatte keine Angst, denn er war sehr stark und außerdem ein Auserwählter vom Hauptgott seines Volkes. Überhaupt war er krass drauf; er aß nur halal (aber nach den Vorschriften seines Volkes), trank keinen Alkohol und trug lange Dreads, die er angeblich noch nie geschnitten hatte.

Natürlich sprach es sich rum, wer mein Liebster war. Eines Tages kamen ein paar meiner Brüder zu mir und putzen mich lautstark runter: „Du strohdumme Tussi! Dein Stecher ist Staatsfeind Nr. 1 und du glaubst an die große Liebe! Du wirst für uns rauskriegen, warum er so stark ist!“
Was bleibt einem Mädchen übrig? Bei Samsons nächstem Besuch fragte ich danach. Erst wollte er wissen, warum mich das interessierte, aber schließlich rückte er raus: „Wenn du mich mit sieben neuen Nylonseilen fesselst, werd ich nur noch so stark sein wie ein normaler Mann.“
Als er eingeschlafen war, besorgten sie die Seile, fesselten ihn und einer rief zum Test: „Ey, Samson, alte Schlampe! Die Philister greifen an!“ Schneller als einer gucken konnte, zerriss er die Seile und verpasste den Brüdern eine Tracht Prügel, die sie so bald nicht vergessen würden.

Leider wusste danach die ganze Familie, wen ich liebte. Unser Vater Abbas (das bedeutet „der Düstere“, was haargenau passte, er war ein grimmiger Patriarch) ließ mich holen und riet mir, sehr schnell das wahre Geheimnis seiner Kraft rauszukriegen, „sonst schicke ich dich auf den Strich, du Tochter einer Hure!“ Ich hätte meine Mutter gerne verteidigt, aber ich traute mich nicht.
Samsons nächste Antwort war, dass man ihn mit stählernen Handschellen und Ketten fixieren solle, dann werde er schwach. Alles übrige wiederholte sich, er zerriss die Dinger, als wären sie aus Teig und verteilte dann Prügel. Mir wurde schlecht vor Angst. Wieso belog er mich? Ich hatte ihm doch gesagt, was für mich auf dem Spiel stand? Aber er baute sich vor meinem Vater auf und drohte: „Niemand rührt Dalila an. Verstanden?“

Es wurde immer absurder. Die fünf Oberkommandanten unserer Armeen besuchten meinen Vater und boten ihm jeder eine Million für Samsons Geheimnis. Ich wollte nicht mehr darüber reden, ich wusste ja doch, wie das ausgehen würde, aber ich wurde nicht gefragt. Samson war genervt, als ich wieder damit anfing, aber er ertrug meine Tränen nicht und sagte irgendwann: „Wenn ihr meine Dreads fest zusammenflechtet und einen Zaunpfahl hineinschlagt, wird dein Vater ein reicher Mann, ohne was dafür tun zu müssen.“
Und was soll ich sagen, es lief so gut oder schlecht wie zuvor. Alle kassierten Prügel, die Million blieb, wo sie war, und ich wachte einen Tag später grün und blau geschlagen in dem Bordell auf, das irgendwie zur Familie gehörte. Irgendwann fand Samson mich dort; überall hatte er nach mir gesucht. Er konnte nicht glauben, was passiert war und versprach mir, mich da rauszuholen. Auf dem Weg in mein Zimmer hielt mich eine Kollegin auf, „Post für dich. Eilt.“ Ich riss den Umschlag auf. „Wenn du heute nicht spurst, kannst du anschaffen, bis ich fünf Millionen an dir verdient habe. Das Mikro ist an.“ Wie betäubt ging ich weiter. Abbas, der Düstere, hatte seine Interessen nicht aus dem Blick verloren. Ich war ihm ausgeliefert.

Ich versuchte Samson zu erklären, was mich erwartete, aber er machte mir Mut, dass er mich ja retten würde. Weinend redete ich auf ihn ein. Irgendwie erreichte ich sein Herz; er tröstete mich, sagte mir sein Geheimnis und wir liebten uns, bis wir einschliefen.

Ich habe ihn nicht verraten. Ich hatte keine andere Wahl.

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Ich mag den Gedanken „was wäre, wenn“.
Was wäre, wenn Dalila (in der Bibel, Richter 16,4-20, heißt sie Delila) ein nettes Mädchen war, das bloß gewalttätige Brüder und einen unberechenbaren Vater hatte, und in der Männergesellschaft des vorderen Orient nichts zu sagen hatte?
Auf die Idee brachte mich ein Gespräch, in dem es um Vornamen der Bibel ging und warum manche bei werdenden Eltern überhaupt nicht populär sind. Goliath zum Beispiel.

Heimatland

farbenirre

Erst wollte ich diese Angelegenheit hier „farbenfroh“ nennen, aber man wird irre, wenn man zu lange am Stück drauf schaut. Außer man hat eine Rot-Grün-Schwäche, dann ist es vielleicht ein friedliches Grau-in-grau.
Der Irrsinn hat nämlich ziemlich um sich gegriffen.

geknipst: letzte Woche in Remscheid
gewundert: über die 19Siebziger
gestanden: im Regen

alles, was nirgends sonst reinpasst

Zusehen, wie die Manschetten enger werden

Nächtens trage ich Pyjamas, zumindest in der kühleren Jahreshälfte.
Derzeit ist der Pyjama streng genommen keiner; oder nur ein halber, aber ich nehme es nicht streng. Er besteht aus einer rosaweiß karierten Damenpyjamahose, Flanell, mit ausgebessertem Gummizug, und einem blauweiß karierten Herrenoberhemd, ebenfalls Flanell. Das Hemd ist in Größe XXL, denn es gab keine kleineren mehr, außer XS. Das Hemd trage ich, weil die zugehörige Pyjamajacke irgendwann am Rücken Löcher bekam, die nicht mehr zu flicken waren. Fotos von der farbenfrohen Kombi gibts keine, bei Bedarf kannst du gerne dein Kopfkino einschalten.
Das Hemd ist natürlich viel zu groß, ich hatte bereits den Gedanken, es an den Seiten um zwei bis fünf Zentimeter abzunähen, was ich dann doch gelassen habe. Meine Güte, ich trag das Dings ja nur nachts und dann guckt keiner zu außer Jesus, und dem sind Äußerlichkeiten egal.
Bloß dass die Manschetten immer über die Handgelenke rutschten, hat mich genervt; ich konnte sie auch nicht fest zum Ellbogen aufschieben, damit sie zB beim Zähneputzen trocken blieben.

Neuerdings beobachte ich, wie die Manschetten zunehmend enger werden. Zunehmend ist ein hübsches Wort in diesem Zusammenhang, aber die Manschetten ändern ja ihre Form nicht und ich habe das Hemd auch nicht zu heiß gewaschen. Stattdessen nimmt mein Unterarmumfang zu; Ergebnis der reichlichen Gartenwühlerei in den letzten paar Wochen.
Wenn jetzt auch noch mein Äquator die Gegenrichtung dieses Trends befolgt, passe ich im Sommer wieder in sämtliche meiner Hosen.

Weil es unter uns Christen so üblich ist, uns bei unseren Aussagen auf die Bibel zu berufen, um ein stabiles und glaubwürdiges Fundament in unserer Argumentation zu haben, enthält na-tür-lich auch dieser Beitrag Bibelstellen. Zwei Stück, die sich hervorragend einfügen.

1.Thessalonicher 3,12+13:
Euch aber lasse der Herr zunehmen und überreich werden in der Liebe zueinander und zu allen – wie auch wir euch gegenüber sind – um eure Herzen zu stärken, untadelig in Heiligkeit zu sein vor unserem Gott und Vater bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen.
(ELB)

Psalm 12,2:
Hilf, Herr! Die Heiligen haben abgenommen, und treu sind wenige unter den Menschenkindern!
(LU17)

Da kannst du dir nun aussuchen, ob und an welchen Stellen du zu- oder abnehmen willst.

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p.s.: jawollja, in der Bibel findest du Antwort auf alle Fragen!

Garten

Rosenhochtiefbeet

Man erinnere sich an das Rosenhochtiefbeet, das ich in einer heraufziehenden kalten Nacht um eine Rose herum schichtete. Bereits dort hatte ich ja den Plan gefasst, anstelle des Provisoriums „irgendwann“ einen dauerhaften und ordentlichen Kübel zu machen.
Das zeitlich nicht definierte „Irgendwann“ nahm einen außergewöhnlich zielstrebigen Verlauf. Über meine weitreichenden Kontakte konnte ich gut 20 Backsteine locker machen (neijen!, nicht aus einem bestehenden Gebäude!!), genug, um endlich mal den Kofferraum zu pflastern. Ich mag dieses warm-rote Bodengefühl, es erinnert mich an Urlaube an der Nordsee.

hast recht, das geht ordentlicher

Aus Gründen des Bremsweges habe ich sie schließlich aus dem Kofferraum genommen und angefangen, den Rosenkasten im Stein-Stilmix vorsichtig abzubrechen, damit die Herde der Schneeglöckchen nicht in Unruhe gerät. Schneeglöckchen sind nicht gern alleine, das merkst du sofort, wenn du welche siehst. Aber sie sind leicht in Aufruhr zu bringen, erschrick sie bitte nicht.

Hier ist der Kasten schon ferdsch. Ich wollte ihn ja zuerst wie seinen Vorgänger rund machen, aber dafür waren die Steine zu lang (bzw. es hätte ein sehr großer Kringel werden müssen und dafür hatte ich nicht genug Steine).
Ich hoffe, dass ich endlich auch den restlichen Topinambur erwischt habe!
Und die Brombeeren in diesem Beetabschnitt. Und die Brennnesseln! Und all die anderen, die schneller wachsen als ihre erwünschten Beetnachbarn.

kurioses

wenn ich …

wenn ich groß bin, sage ich gerne, mache ich diesen oder jenen Job und werde damit reich und berühmt. Welcher dieser Job ist, wechselt oft und entscheidet sich meist spontan und nach Begeisterung.
Jetzt habe ich endlich den richtigen Beruf gefunden. Ich werd

Sachverständiger.

Immerhin bin ich in vielen Sachen verständig und werde oft und gerne von anderen Menschen gefragt, wie man ein Hochbeet baut, welcher Burgherr Warburg (Kreis Höxter) gegründet hat und wann, was diese Kästen dort an der Scheunenwand sind, wie viele Arten von Reihern hier leben, was das Aufblinken der lilla Warnleuchte im Auto bedeutet, ob die Bauernrose im eigenen Garten gedeiht (wie sieht die denn aus? Bauernrose ist kein botanischer Name), ob man die Schleuse hier überqueren darf, wo das Grab von der Frau Olvenstedt ist, ob die Beeren giftig sind, was man mit der Moossammlung hinterm Haus machen kann, damit sie wieder ein Rasen wird und wo man bei Firma K. das gewünschte Gut findet, einfach weil ich so kompetent aussehe.
Auf alle diese Fragen antworte ich nach bestem Wissen und Gewissen (teilweise auch mit Absagen: bin ich Kfz-Mechaniker? Frag doch bitte jemanden, der sich damit auskennt!) und danach wenden sich alle Menschen gerne wieder an mich, die Beratung war wohl gut.

Kongopost

Kongopost 104

Pädagogik im Kongo.
Die Lehrerinnen der Schule für Straßenkinder schreiben schon mal von ihren Problemen. Da habe ich geschrieben, dass es hier auch Problemkinder gibt und habe von Eltern berichtet, die über ihr Kind nicht nur traurig sind.
Directrice Fifi hat dann aus dem Kongo geschrieben:

Deine Geschichte hat mich richtig traurig gemacht. Mit den Händen können wir ja kein Kind festhalten, aber mit unserm Glauben und mit unserm Gebet. Gott hört uns doch, und er sieht auch den Jungen von dem du da schreibst. Ganz neu wird er mal zurückkommen, wie der verlorene Sohn in der Bibel. Sag diesen Eltern, dass sie für ihr Kind nie die Hoffnung aufgeben sollen. Bei Gott ist wirklich Hilfe.

Die wilden Straßenkinder in unserer Schule haben alle ganz unterschiedliche Probleme. Vor zwei Jahren hatten wir Josephine, die immer genau das Gegenteil von dem machte, was sie sollte.
Sie stritt mit den anderen Kindern und beschimpfte uns Lehrerinnen ganz schlimm. Mado wollte sie nicht mehr in ihrer Klasse haben, aber Fatou liebte Josephine irgendwie und ich konnte ihr auch nicht wirklich böse sein.
So haben wir alles getan, dass sie trotz allem doch noch etwas Schreiben, Lesen und Rechnen lernt. Zudem haben wir immer wieder für sie gebetet.
Und Gott hat ihr nachher wirklich geholfen, denn sie bekam in einem der kleinen Restaurants eine Arbeitsstelle. Da hat sie allerdings auch nur Quatsch und sich unbeliebt gemacht. Aber ihr Chef mochte sie trotz allem, denn sie war nicht faul und sie konnte sogar rechnen.
Als der Chef dann mal verreisen musste, hat er ausgerechnet Josephine als seine Vertretung eingesetzt, weil sie als einzige die Kasse führen könnte.
Als er zurückkam, fand er die Kasse in Ordnung, aber Josephine hatte zwei Mitarbeiterinnen entlassen. „Die haben mir nicht gehorcht, darum habe ich sie rausgeschmissen“, war ihr Argument. Auf die Frage, warum die denn ungehorsam waren, antworteten die: „Josephine macht doch auch nur was sie will und passt sich keinem an. Man kann doch niemand gehorchen, der selbst ungehorsam ist!“
Das hat Josephine getroffen, und sie hat sich zuerst bei ihrem Chef und dann, der Reihe nach, bei allen Kollegen entschuldigt.
Und gestern ist sie zu uns in die Schule gekommen und hat uns um Vergebung für alle ihre Bosheit gebeten. Zuletzt haben wir alle zusammen vor Freude geweint und haben nachher Gott gedankt, dass wir Josephine nicht haben fallen lassen. Ihr Leben wäre ja für immer verdorben worden.

Gott hat unsere Herzen gesehen und unser Gebet erhört, und es gibt jetzt schon mehrere Menschen, die Josephine echt lieb haben.
Ich Fifi.