kurioses

wenn ich …

wenn ich mich mit einer Wäscherei mit Bügelservice selbstständig machen wollen würde, würde ich das Gschäft natürlich

Mangelwirtschaft

nennen. Säumige Kunden (oder andere personae non grata*) würde ich in Mangelhaft nehmen und im Keller des Gebäudes oder in ein paar fensterlosen Räumen unterbringen, wo sie ihre Schulden abarbeiten könnten.
Damit wäre die geschäftliche Existenz jedenfalls gesichert, da ich mit dem heißen Eisen eher Mängelexemplare produziere.

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* = wenn das die falsche Vermehrungsform ist – sei gnädig mit mir, in meinem gallischen Latinum kamen derartige Feinheiten nicht vor. Da hab ich stattdessen sub specie aeternitatis gelernt und timeo danaos et dona ferentes (und viele andere hilfreiche Dinge). Sowas kann man ja immer wieder sinnvoll einbringen.

Lesestoff

darf ich sie nun lieben?

In diversen Ratgebern und Seminaren übers Schreiben von Belletristik habe ich gelernt, dass es fürs Gelingen des Werks unabdingbar ist, dass der Autor seine Hauptpersonen nicht liebt; mehr noch, er muss ihnen alles Schlechte der Welt zufügen. Die Krönung der Geschichte ist, wenn der tragische Held am Schluss erschossen wird (o.ä.).
Ich fand diese „Schreib-Weise“ immer schlimm, aber wenn das Gelingen davon abhängt?
Also habe ich mir beim nächsten Start eines neuen Projekts mehr Mühe gegeben oder im bereits begonnenen Werk Szenen geändert und so weiter. Aber Spaß hat es nicht gemacht.
Das Leben meiner Hauptpersonen besteht längst nicht bloß aus Sonnentagen; sie haben ja ein ziemlich normales Leben, aber es muss doch immerhin ein Leben bleiben. Außerdem hatte ich sie erfunden – wie kann ich einer meiner Erfindungen Pest, Cholera und Haarausfall auf den Hals wünschen?

Jetzt habe ich ein Interview mit Jan Seghers gelesen zu seinem nicht mehr so neuen Roman „Menschenfischer“, dem 6. Fall von Kommissar Marthaler und bin sehr erleichtert. Er mag seinen Marthaler (ich übrigens auch, zumindest den aus den Verfilmungen – Matthias Koeberlin ist einfach toll). Herr Seghers ist ein ziemlich erfolgreicher Schreiberling. Das heißt, es geht. Man darf seine Hauptpersonen lieb haben.
Puh.
Hier geht es zum Interview beim Rowohlt Verlag.

Musik & Film

Ein Schwein namens Bronski

Wie sich mittlerweile rumgesprochen haben dürfte, habe ich eine Schwäche für:

  • schräge bis groteske Filme mit hintersinnigem Humor
  • Kurzfilme
  • stille und weite Landschaften
  • Schauspieler, die sonderliche Dinge mit ihrem Gesicht anstellen können und solche, die vor keiner Verwandlung zurückschrecken

In dem glücklichen Fall, dass alles auf einmal zusammentrifft, bin ich kaum zu halten. Und wenn einer der Teilnehmer dann auch noch Hinnerk Schönemann ist, kann die Nacht lang werden und es bleibt nicht beim einmaligen Angucken.
Du kannst dir sicher vorstellen, was „Nord bei Nordwest“ (inzwischen acht Filme in der ard) mit mir macht, wo stille und weite Landschaften die Kulisse bieten für allerhand schräge Ideen von Drehbuch und Regie, die dann u.a. von Marleen Lohse und dem ausgesprochen gesichtsagilen* Hinnerk Schönemann umgesetzt werden. Ein Fest!
Das Vorgartenkino zeigt allerdings heute keinen schwerelosen Schwanitzer Schwank, sondern Klytæmnestra Pocket, in dem du die kryptische Überschrift irgendwann wiederfinden wirst. Schau nur genau hin.

Schräglich schön.

Apropos Drehbuch und Regie.
Es gibt solche kongenialen Teams, bei denen alles passt. Die Herren Graf und Basedow zum Beispiel. Die sich gerne immer dieselben Schauspieler aussuchen, zB Zehrfeld und Tscharre, weil sie mit ihnen schon so manchen Kilometer Filmrolle auf- und abgewickelt haben und jeder vom anderen weiß, wie er/sie denkt und Text (oder dessen Fehlen) in Bewegung umsetzt.
Oder halt Holger Karsten Schmidt und Markus Imboden, bei denen ich mich manchmal wundere: wie, sie haben einen Film gemacht und Hinnerk Schönemann war nicht dabei?
Im vorliegenden Werk ist es andersrum. Geht natürlich auch. Ist dann aber ohne Insiderspäße und all die schönen Schnittmengen der gemeinsamen Filme.


*= ich weiß nicht, ob es das Wort gibt. Es entstammt meiner Wortschmiede.

kurioses

mal kurz über die Sprache gestolpert

[…] Eigentlich kann ein Tag nicht besser anfangen. Na ja, er könnte damit anfangen, dass der Schatz nicht schimpfend aus dem Zimmer rennt. Wahrscheinlich war er zu spät auf der Arbeit. Das tut mir leid. Sex am Morgen geht also leider nur noch am Wochenende. Dabei sieht er gerade morgens nach dem Aufwachen so besonders …

… ähm, unwiderstehlich aus? Nee, warte, das ist, wenn sich einer nicht benimmt. Oder … ach nein, das ist unausstehlich!
Verflixte, schöne deutsche Sprache!
Ich umschiffe die Klippe geschickt:

… so besonders knackig aus, an Körper und Geist erfrischt; kein Wunder, dass ich ihm nicht widerstehen konnte!

Es ist tatsächlich so, dass ich nicht immer sofort bei jedem Wort weiß, was es haargenau bedeutet (ich sach nur „scheinbar“ und „anscheinend“), aber wozu gibt es schließlich all die anderen schönen Wörter, wo sich auch immer eins findet, das das gleiche bedeutet?