alles, was nirgends sonst reinpasst

alle 11 Minuten ist ein Frauentag vorbei

Ich hätte diese Bilder ebenso gut selbst knipsen können, es gibt genug und die in der Stadt unterscheiden sich in Nichts von denen, die ich bei der Elf-Minuten-Singelbörse gescreenshottet habe. Aber in der Stadt war kein fotogenes Wetter oder die Ampel sprang auf Grün oder die Gruppe Teenager schaute sowieso schon seltsam herüber, da wollte ich nicht noch ein Foto machen.

Die Einteilung der Verpaarungswilligen nach Geschlecht wurde höchst willkürlich von mir vorgenommen, um dich mit nachfolgenden Fragen zum Nachdenken zu bringen.

Oder, wenn du schon mal darüber nachgedacht hast, um dir zu zeigen: du bist nicht allein.

Warum tragen die Damen fast ausschließlich schulterfrei und tief ausgeschnitten, eine sogar bloß ein Hemdchen, das sie im Bett tragen könnte, während die Herren sich in „anständiger“ oder zumindest jahreszeitlich angepasster Kleidung präsentieren?
Was sagt das über unser Frauen- und Männerbild aus?

Den Fokus auf andere Äußerlichkeiten gelenkt: Warum gibt es keine Kurzhaarige in der Werbung? Was ist mit den langhaarigen Männern und denen ohne Bart?
Warum dürfen Brillenträger:innen und die sommersprossenverzierten Rothaarigen nicht mitmachen? (Dürften sie, schlussfolgere ich, wären sie ja abgebildet in diesem angeblichen Querschnitt unserer Gesellschaft, der suggerieren soll, dass jede und jeder sein Glück findet, nämlich alle elf Minuten.)
Was ist mit den Leuten, die nicht ganz so nord-, mittel- und westeuropäisch aussehen?
Und wo sind all die vielen Menschen, die hier und da ein paar Pölsterchen mit sich herumtragen, sind die gar nichts wert? Nicht mal liebenswert?

Über Parship hab ich auch schon mal im alten Vorgarten nachgedacht, da war aber nicht Weltfrauentag. Bei dem gabs zwei Jahre zuvor schöne Musik.

Lesestoff

Absatzgeklapper im Treppenhaus

Absatzgeklapper im Treppenhaus.
Schlüssel raus, Tür auf, Tür zu, Schlüsselbund fliegt in die Ecke des Telefonregals. Geklapper hört auf, weg mit den grausigen Schuhen, Freiheit für die Zehen!
Hallo Kätzchen! Gleich gibt’s Futter für euch.
Puh, endlich Feierabend. Dieser Sachgebietsleiter!!! So ein Arschloch.
Verbleibende Zeit bis zum Beginn des Spieleabends: Zwei Stunden.
Das ist noch zu tun: Küche wischen, Gästeklo putzen, Wohnung aufräumen, duschen, was vernünftiges essen. Kevin kommt später, er ist noch in der Firma.
Nach zwei Zeitrafferstunden ist das getan: Gästeklo geputzt, nur Wohnzimmer aufgeräumt, geduscht. Die Küche klebt nach wie vor, ihr Magen beherbergt ein Rudel Wölfe.
Wohnungstür geht auf und zu, Kevin. Hallo Schatz, wie war dein Tag, ja, geht so, und deiner?
Er will Details zum Tage erzählen, sie will sich noch schnell was zwischen die Kiemen schieben. Passt ihm nicht: Hör mir doch mal zu!
Tu ich doch, ich kann zugleich essen und zuhören.
Sie hat dreimal abgebissen, als es klingelt. Lucy und Silas stehen im Flur, bestens gelaunt, Spiele unterm Arm, Snacks in der Tüte.

Silas erklärt das erste der mitgebrachten Spiele.
Das hab ich nicht verstanden, sagt sie.
Ganz einfach. Er beginnt von vorne.
Kevin mault. Hör doch gefälligst zu. Nie hörst du zu.
Sie kontert: Stimmt gar nicht.
Die Spielregeln hat sie jetzt kapiert. Sie sperrt die gereizte Laune im Keller ein. Will den Abend nicht verderben.
Sie verbündet sich mit Lucy. Kevin verliert die erste Runde.
Die zweite auch.
Ihre Laune darf den Keller verlassen.
Wieder gewonnen.
Kevin vermutet, dass das kein Zufall ist: Ihr bescheißt mich.
Tun wir gar nicht.
Zick hier nicht so rum.
Ich zicke nicht rum.
Kriegst du etwa deine Tage?
Bitte?! Mehr fällt ihr nicht ein.
Ich hab dich gefragt, ob du deine Tage kriegst. Du bist dermaßen geladen!
Jetzt fällt ihr was ein: Stell dir vor, ich hatte das verstanden, aber ich frag dich auch nicht, ob du Samenstau hast, bloß weil du Stress hattest in der Firma und dein SGL ein beschissener Chauvi ist und du hier noch alles ordentlich machen musstest und nicht mal die Hälfte geschafft hast und dann auch noch stillsitzen und zuhören musst und dabei nicht mal was essen darfst!!
Lucy und Silas gucken sich erstaunt an, Silas zieht den Kopf ein: Sollen wir lieber … ähm, gehen?
Nein, knurrt sie.


erschienen in „Der Kranke Bote – das Jesus Freaks Magazin“, Ausgabe 1/2011

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