Heimatland

Regengedanken

Der Regen, ach wie schön er ist.

Die Linde gegenüber streckt ihre staubigen und klebrigen Blätter ins ersehnte Nass, sie saugt es auf mit jeder Zellöffnung am Blattrand, sie lässt es an Zweigen und Ästen entlang rinnen, benetzt ihre Rinde
Der Wind nimmt ihr die schon oktobergelben Blätter ab, streift die Stielchen sorgsam von den Zweigen, bedacht, nicht den Kork zu verletzen
Heute sind sie zärtlich zueinander, Winde und Linde
Der Boden weiß kaum umzugehen mit der Feuchtigkeit, so hart vertrocknet ist er
Wo er den Baum umgibt, lässt er das Wasser an Rinde und Wurzel hinab rinnen
und nimmt es zögerlich auf – nur nicht zu viel Nässe auf einmal, langsam, er kann es nicht schlucken, aber nichts soll vergeudet werden, nichts soll einfach wegfließen

Die aufgeweckten ausgeheckten Meisen aus dem Hainbuchenmonument besuchen mein Futterhäuschen, eine sitzt am Futter und klopft Körner in schnabelgerechte Größe, eine hüpft aufs Dach, die andere schaukelt im Knödel, sicher schmeckt es heute besser
ein grüner Fink kommt des Weges und vertreibt die muntere Bande, er will in Ruhe fressen – ach was, Ruhe, er meißelt noch lauter mit seinem kräftigen Schnabel
die Dohlen sagen freundlich „knök, knök“, leise, wie sie es in intimen Momenten ihrer lebenslangen Zweisamkeit tun

Den guten alten bergischen Fachwerkhäusern, hundertzwanzig Jahre oder älter, fällt heute wieder ein, warum sie Dachrinnen haben und Regenrohre, und dass ihre ganze Architektur aus Lehm und Holz – ein atmendes Haus – für viele Regentage pro Jahr konzipiert ist … und dass sie beteiligt waren, Berufsstände wie die Dachklempnerei ins Leben zu rufen

Regentropfen sammeln sich in Pfützen, Rinnsale verbinden, Bächlein entstehen
Schmutz und Staub werden abgewaschen, die Welt wie neu

Ach, der Regen, wie schön er ist.

Heimatland

Elsterwerda polstert Palästinenser

Du wirst selbst sehen, dass dies keine aktuelle Wettervorschau ist. Gerade ging jedoch so ein prächtiger Plästerregen nieder, da fiel mir der Screenshot wieder ein.
plästern, Plästerregen, Plästerwetter, plästernass, etc. wird übrigens mit langem ä gesprochen. Falls es da deinerseits Zweifel und/oder Unkenntnis gab. Es ist ein schwaches regelmäßiges Verb (wobei ich mich zu erinnern versuche, ob regelmäßige Verben nicht immer schwach sind – du siehst, Zweifel und/oder Unkenntnis zu haben ist ganz normal).
plästern ist im Bergischen Land ein gängiges Wort, wenn es um das Niederfallen der Bergischen Flüssigsonne geht. Keine Ahnung, wie weit es darüber hinaus verbreitet ist. In Elsterwerda wird man es aber ziemlich sicher nicht kennen, erst recht im Palästinenserland, wo es ohnehin weniger regnet.