Lesestoff

der Kampf um die erste Seite

Die Orchideen beschäftigen mich gerade nur in sehr geringem Maße, verglichen mit anderen Sachen. Weil es gerade mit Lorenz und Carina überhaupt nicht läuft (und ich auch den Glauben dran verloren habe, dass das Projekt jemals fertig wird), habe ich neulich noch mal eine meiner alten Geschichten gelesen. Alt heißt in dem Fall, dass sie um 2003 entstanden ist. Auch wenn sich das in meinem Kopf oft anhört, als sei es gestern gewesen – oder nur sehr wenig länger her – sind seitdem um die 17 Jahre vergangen. !Siebzehn! Ojottojottojott, bin ich alt geworden.
Hingegen alte Geschichten lesen ist toll, weil ich daran merke, wie sich meine Art zu schreiben weiterentwickelt hat.
Und weil die Geschichte neben aller Langatmigkeit, stilistischen Fehlern, unausgereiften Personen und so weiter durchaus Potenzial hat, habe ich mich vor kurzem (das ist jetzt wirklich vor kurzem gewesen) dazu entschlossen, das ganze Werk zu überarbeiten und auf stabile Füße zu stellen.

Tzja, und seitdem kämpfe ich den Kampf um die erste Seite.
Es will ja niemand ein Buch lesen, das erst nach 50 oder noch mehr Seiten in Schwung kommt, es soll einen bitteschön schon auf der ersten Seite einfangen.

Dafür muss es interessant sein, man will ja wissen, mit wem man es zu tun hat, aber zu viel Information ist schlecht, dann ist es überladen.
Einen Einblick ins Leben der handelnden Personen will man bekommen, gerne auch die Andeutung von Konflikten, aber wenn die Hauptperson nicht gerade Jason Bourne heißt, darf das Leben beschaulich beginnen. Das passt nämlich viel besser zu der Umgebung, in der die Geschichte stattfindet. Und das alles bitte ohne verschachtelte Endlossätze, ich heiße nicht Theodor und schreibe nicht über das Fräulein Briest. (Heutzutage hätte er sein Werk auch anders begonnen…)

Ich kann dir soviel verraten: ich bin streng mit der Autorin und lösche viel überflüssiges Blabla. Die erste Szene ist inzwischen mehrfach umgeschrieben worden, Details flogen raus, kamen am nächsten Tag wieder rein, Sätze wurden verschoben, verdreht, umgestellt, entwirrt und doch wieder geändert … ein erstklassiger Zeitfresser. Ich lektoriere eine halbe Seite und schon ist eine ganze Stunde verstrichen – ohne Recherche im Internetz, wo man ja leicht mal den Faden verlieren kann.
Das wird also noch ein Weilchen dauern. Die Geschichte hat eine Länge von 185 Seiten am Stück und dann noch diverse Szenen ohne Anschluss, Ideen und lose Schnipsel.

Viiieeele Buchstaben.

p.s.: Der grüne Ritter ist ein gespiegelter Screenshot von hier.