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Der unbequeme Graf

Dominik Graf in „Die Zeit“, 3.12.2020, Screenshot aus ZAPP, NDR

Zu diesen Zuschauern gehöre ich definitiv nicht. Ja, es ist gemütlich, wenn Filme synchronisiert sind und man die Aufmerksamkeit nicht zwischen Handlung und Untertitel aufteilen muss.
Aber es geht auch ohne. Und manch ein Film verliert durch die Synchronisation deutlich an Qualität bzw. Tiefe. Das merkt natürlich nur, wer auch das Original schaut.

Mein Lieblingsbeispiel ist da immer noch der Film Defiance mit den Herren Schreiber und Craig in den Hauptrollen. Darin sind im Original Englisch mit stark osteuropäisch gefärbtem Akzent, wenig Deutsch und etwas Russisch zu hören, und nur das Russische ist untertitelt. Von dieser sprachlichen Vielfalt ist nach dem Synchronisieren logischerweise nichts mehr zu merken. Alle reden deutsch. Wie homogenisierte Milch.

Ich wundere mich über das empörte Gemecker, das jedes Mal losbricht, wenn es einen Tatort oder Polizeiruf gegeben hat, in dem ein paar Italiener oder Polen nicht übersetzt werden. Könnt ihr Beschwerdeführer denn nicht lesen? Seid ihr überfordert, wenn das Gehirn zwei Sachen zugleich tun soll? Fast überall auf der Welt ist es gang und gäbe, Filme nur landessprachlich zu untertiteln; die Synchronisation kostet viel mehr.

Um auf die „gräfliche“ Aussage zurück zu kommen: ich wünschte, es gäbe mehr Filme mit echten Europäern, die in ihrer eigenen Sprache reden dürfen. Andere Länder haben auch sehenswerte Schauspieler! Ich schaue die ganzen deutschen Krimis aus Barcelona, Amsterdam, Kroatien uswusf nicht mehr an. Langweilt mich. Zum Glück gibt es interessante österreichische Produktionen, dank derer wenigstens ein bisschen Austausch der Akteure herrscht und die auch sprachlich manch herausfordernde Stelle haben, wo man zurückspulen möchte (oder sich tatsächlich über Untertitel freut).

Warum nenne ich Dominik Graf in der Überschrift unbequem?
Nicht ich nenne ihn so, sondern die Leute, die sich an seinen oftmals polarisierenden Filmen stoßen. So ist es ihm beispielsweise bei seiner bislang größten Arbeit ergangen, den 10 Folgen à 45min von „Im Angesicht des Verbrechens“ (unbedingter Filmtipp!). Die Russen, die personenstark vertreten sind, sprechen sämtlich russisch im Film – meines Wissens sollte keiner der Schauspieler dafür russisch lernen, sie mussten es alle schon vorher können.

Sehe ich, dass Herr Graf eine Filmarbeit geleitet hat (womöglich nach einem Drehbuch von Herrn Basedow), so ist dies für mich ein Grund, den Film anzuschauen. Und OmU schreckt mich nicht ab.