aufgewärmt

Der Charme des Fehlerhaften

Na-tür-lich ist das kein aktuelles Foto. Mein Garten ist (ebenso wie dieser Vorgarten) etwas ganz besonderes, aber wir schwingen bevorzugt mit den Jahreszeiten. Außerdem wollen zwar alle Menschen von nah und fern der Vorgärtnerin echten Garten sehen, aber ich habe noch keine dreisprachigen Hinweisschilder aufstellen müssen.
Das Foto hab ich Sommer 2012 in Venlo auf der Floriade geknipst. Ich durchforstete meine Fotoarchive nach was anderem und fand wie so oft hübsche Dinge, aber nicht, was ich suchte.


In anderen Jahren gab es Deutsche Einheit am Tag derselben. Oder ebenfalls was anderes. Eine Zusammenfassung aus zwölf Jahren Blogologie:
Liebesbekenntnis
Frage zum Tage IX
Nanu . . . .
voll die krasse Feierei hier, ey!
Eingang einer Beschwerde
das ist Gott niemals:
Versmaß braucht doch kein Mensch*
Feiertagsdefinition
Tag der Deutschen Einheit 2015
Erntedank verdirbt nicht
Seid gegrüßt (inklusive schöner Anregungen, den Herbscht zu feiern)

Manche Beiträge sind vom Tag vor oder dem nach dem 3.10., je nach dem, wie es sich so ergab. Bloß im Oktober 2018 wurde im alten Vorgarten gar nichts serviert, depressive Umstände und wordpressive Umzüge verhinderten es.
* diese Feiertagsgestaltung gefällt mir gerade am besten.

Fernweh

Sauwetter* im Paradies

Es war Mittwoch, der vierte Inseltag, und ich notierte an diesem Tag:

Irgendwann hat man dann genug drauf gewartet, dass der Regen endlich aufhört und man zum Strand gehen kann – und geht trotz des Regens los.
Und findet auf der leeren Fläche neben viel Wetter nur wenige Menschen, die einen alle freundlich anlächeln, weil sie wissen, dass man die gleichen Kämpfe hatte wie sie, bevor sie losgegangen sind.

Auf dem Weg zum Meer musste ich plötzlich sehr lachen, denn mir fiel die Sache mit den Brennnesseln auf dem Weg zum Paradies ein. Auf dem Weg zum Paradies könnte auch Sauwetter sein, aber lasse ich mich dadurch vom Paradies abhalten?

Niemals.

Sauwetter hin oder her – hey, es ist das Paradies! Mit Jesus zusammen ist ein Sauwetter … ein Sauwetter zusammen mit Jesus. Werden wir halt beide nass bis in die Unterhose, na und?

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* = Sauwetter ist bei mir kein negativ gefärbtes Wort, ich könnte es genauso auch „Starkwetter“ nennen. „Sauwetter“ gefällt mir aber besser. Meist schmücke ich es mit Adjektiven wie wunderschön, prachtvoll etc.

Fernweh

konturlos bis 74

Bei blauem Himmel kann fast jeder „schöne“ Fotos machen, aber das ist nichts für mich. Ich will Kontraste, finstere Wolken und eine gewisse Dramatik. Der dritte Inseltag präsentierte sich wolkenverhangen und mit mehr Wind als der vorige; eigentlich gute Zutaten für Gottes Himmelskaleidoskop. Und dennoch war irgendwie noch nicht die richtige Fotostimmung aufgekommen.

Interessante Komposition. Aber nicht das, womit ich die Festplatte meines Handykameraden füllen möchte 😉

Ich war während der Zeit sehr glücklich, nicht dass du denkst, meine Ansprüche seien in allen Bereichen des Lebens so hoch. Kilometerlang bin ich am Strand herumspaziert und habe mich dabei jeden Tag im selben kleinen Areal bewegt. Über große Ziele und damit verbundene Gewaltmärsche wie „geh doch noch mal um Hoge Hörn drumrum“ hatte ich gar nicht erst nachgedacht.
Erfreulicherweise dauerte es nicht bis zum Foto Nr.178, bis ich endlich den ersten „richtigen“ Blick erwischen konnte. Beobachte selbst die Unterschiede zwischen denen oben und diesem.

des Rätsels Lösung: reflektierendes Gegenlicht.
auf einmal ist Dynamik drin, von mir bis zum windgebürsteten Horizont und weiter in den Wolken.

Ab da gab es kein Halten mehr, wie du dir vielleicht vorstellen kannst.

Als ich irgendwann wieder festen Boden unter den Füßen wählte, verzogen sich die Wolken. Auf der Promenade begegnete mir diese Jungmöwe im Stechschritt.

Diese Silbermöwen-Teenies sind Nervensägen. Wenn sie ihre Eltern sehen, betteln sie die ganze Zeit nach Futter und quieken dabei, dass man denkt, irgendwas müsste mal dringend geölt werden.

Weitere Kontraste und Auswirkungen eiliger Luft bekommst du in der Zusammenfassung des vierten Inseltags zu sehen.

Ermutigung

Machtspiele

Es ist wieder Saison für die sirrenden Biester, die harmlose Mitbürger hinterrücks überfallen und stechen und Juckreiz, Rötung, Schwellung und ärgerliche Gedanken über die gefallene Schöpfung hinterlassen.
Ein paar Nächte lang habe ich das hingenommen und über Fliegengitter an den Fenstern nachgedacht. Da ich aber selbstverständlich Blumenkästen habe und die gegossen werden wollen, sind diese Netze eher suboptimal. Man will das Dings ja solide befestigen, dann kann man nicht mehr gießen. Und Erdbeeren pflücken.
Ein paar weitere Nächte habe ich mit „Jesus, kannst du deinen Mücken bitte ausrichten, dass sie mich nicht stechen sollen?“ begonnen. (Wem sollten die Biester sonst gehören? Er hat sie erschaffen!)
Morgens stellte ich fest: Die Mücken haben sicher schon mal besser gehorcht.
Trotzdem bat ich ihn weiter um Hilfe. Vorgestern Abend fing Jesus sein übliches Machtspiel an. „Warum soll ich das den Mücken ausrichten? Das kannst du doch auch.“ Subtext: Vollmacht als Kind Gottes, Joh.5,19 usw, usf
Ich, tief seufzend: „Wie sollten sie auf mich hören, wenn sie dir schon nicht gehorchen?“ Weil er an diesem Punkt nicht zu Diskussionen taugt und ich die These „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ vertrete (du ahnst nicht, wie viele Ohren die Tiere, Pflanzen und Gegenstände haben können! klick, klick, klick), habe ich mein Abendgebet dahingehend geändert, dass ich die Mücken also selbst angesprochen habe.
Die Biester haben definitiv schon mal besser gehorcht!
Aber ich gebe nicht auf. Außerdem hat mich die Recherche zu den obigen Klicks so ermutigt, dass ich einfach weitermachen muss, weil ich ja weiß, dass es geht.
Und außerdem weiß ich wieder, wie lange er diese Machtspiele schon mit mir treibt, irgendwann muss es ja auch damit mal Fortschritte geben.

alles, was nirgends sonst reinpasst

alle 11 Minuten ist ein Frauentag vorbei

Ich hätte diese Bilder ebenso gut selbst knipsen können, es gibt genug und die in der Stadt unterscheiden sich in Nichts von denen, die ich bei der Elf-Minuten-Singelbörse gescreenshottet habe. Aber in der Stadt war kein fotogenes Wetter oder die Ampel sprang auf Grün oder die Gruppe Teenager schaute sowieso schon seltsam herüber, da wollte ich nicht noch ein Foto machen.

Die Einteilung der Verpaarungswilligen nach Geschlecht wurde höchst willkürlich von mir vorgenommen, um dich mit nachfolgenden Fragen zum Nachdenken zu bringen.

Oder, wenn du schon mal darüber nachgedacht hast, um dir zu zeigen: du bist nicht allein.

Warum tragen die Damen fast ausschließlich schulterfrei und tief ausgeschnitten, eine sogar bloß ein Hemdchen, das sie im Bett tragen könnte, während die Herren sich in „anständiger“ oder zumindest jahreszeitlich angepasster Kleidung präsentieren?
Was sagt das über unser Frauen- und Männerbild aus?

Den Fokus auf andere Äußerlichkeiten gelenkt: Warum gibt es keine Kurzhaarige in der Werbung? Was ist mit den langhaarigen Männern und denen ohne Bart?
Warum dürfen Brillenträger:innen und die sommersprossenverzierten Rothaarigen nicht mitmachen? (Dürften sie, schlussfolgere ich, wären sie ja abgebildet in diesem angeblichen Querschnitt unserer Gesellschaft, der suggerieren soll, dass jede und jeder sein Glück findet, nämlich alle elf Minuten.)
Was ist mit den Leuten, die nicht ganz so nord-, mittel- und westeuropäisch aussehen?
Und wo sind all die vielen Menschen, die hier und da ein paar Pölsterchen mit sich herumtragen, sind die gar nichts wert? Nicht mal liebenswert?

Über Parship hab ich auch schon mal im alten Vorgarten nachgedacht, da war aber nicht Weltfrauentag. Bei dem gabs zwei Jahre zuvor schöne Musik.

Ermutigung

zum Jahresendeanfang

Der Statistikfreund und ich haben lange überlegt, was wir den Vorgartenfreunden zu Silvester und Neujahr bieten wollen.
„Klamauk zum Jahresabschluss“ ist wie immer hoch im Kurs, aber schließlich haben wir uns drauf verständigt, dass die Klamaukfreunde in den alten Vorgarten gehen können, da gibt es genug zu lesen und zu lachen.
Zum Beispiel bei den Heileits von 2014. Oder bei der Jahresabschlussstatistik von 2010. Oder … ähm… hm. Das wars dann schon. Ehrlich, ich war sicher, dass es viel mehr sein würden … na ja, wir haben uns beim Klamauk ja nicht auf Silvester beschränkt. Reichlich Linkse weisen dich dahin.
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Wir haben uns also drauf verständigt, dir diesen Text zu bieten.
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Wieder ist ein Jahr vergangen, himmlischer Vater! Wir danken dir für deine Barmherzigkeit. Das neue Jahr steht vor uns mit seinen Forderungen. Aber wir gehen nicht mit leeren Händen hinein.

Wir nehmen mit uns die Erinnerung an die bangen Zweifel, die beruhigt wurden, an den Kummer, der gelindert wurde, an die Niedergeschlagenheit, aus der wir erhoben wurden, an die Hoffnung, die nicht beschämt wurde. Das hast du an uns getan, barmherziger Vater. In allem Werden und Vergehen bist du doch derselbe gewaltige Gott.

Sören Kierkegaard – und der Text der Tageslosung zum Altjahrsabend.

Das wünschen wir dir: dass du die Erinnerungen an die zuerst schlimmen Momente, die sich ins Gute wandelten, nicht vergisst.
Die schönen Momente darfst du natürlich auch gerne mitnehmen. Wir hoffen, du bekommst

ein stattliches neues Jahr.