Kongopost

Kongopost 106

Wer kleine Brötchen backen muss, soll sie auch verkaufen.

Diese roten Eimer mit Wasserhähnchen kann man seit der Ebola-Epidemie in Mbandaka kaufen.

Lehrerin Mado, die ja Medizin studierte, wollte jetzt unbedingt solch ein Ding haben, damit die Kinder die Hände waschen, wenn sie vom Klo kommen.
Diese Straßenkinder fanden es wirklich toll, sich mal die Hände zu waschen, und sie haben sich dermaßen über das Wasser aus einem Hahn gefreut, dass es sogar einige Leichtverletzte gab.
Also die Waisenkinderschule läuft wunderbar.
Problem ist, wie überall im Kongo: „Was machen diese Schüler denn dann später mal mit ihrem Wissen?“ Nur ein paar wenige Kinder konnten mal eine Arbeit finden.

Pastor Jérémie hatte einen Traum von Gott, worin er eine Bäckerei sah, wo er Arbeitsplätze schaffen könnte. Gleich schickte er mir einen Kostenvoranschlag über eine Bäckerei, und ich war sofort dagegen und hab gesagt: Backt ihr erst mal wie alle anderen, dann sehen wir, ob ihr denn überhaupt backen könnt. (Bei Pastoren muss man ja immer misstrauisch sein.)

Jérémie war erst mal eingeschnappt, aber bald fand er einen alten Ofen und reparierte ihn. Er kaufte für 70 € Brennholz, Mehl, Zucker, Salz und Hefe. Zwei Monate lang backten er und Mama Vijini schon Qualitätsbrot, das zwei Mädchen für 74,5 € täglich verkauften. Das läuft, und Marie José 12, und Mirina 15, sind glücklich engagiert.

In Mathe waren sie so gut, dass sie auch keiner eben mal leicht betrügen kann. Die eine balanciert ihr Brot auf dem Kopf durchs Dorf, und die andere hat einen festen Verkaufstisch.
Mama Vijini bekommt 40 und die beiden Mädchen je 30 € im Monat. Das ist viel, wenn man vorher gar nichts hatte. Natürlich dürfen sie auch von ihrem Brot was essen.
Viele bewerben sich um solch eine Arbeit, und Jérémie träumt jetzt schon, irgendwo eine Filiale gründen zu können. So etwas muss aber ganz alleine da vor Ort langsam wachsen, und das am besten fast ganz ohne europäisches Geld.
Das alles verändert in diesem Land voll finsterem Elend gar nichts. Und der neue Präsident Felix Tshisekedi bringt wohl auch keinerlei Hoffnung dahin.
Aber ein Traum von Gott kann überall neue, kreative Hoffnung bringen. Egal, ob jemand todkrank in Europa, oder voll Sorge im Kongo lebt, er kann mitten durch alle Finsternis seinen Weg bis zum Ende weitergehen, und unterwegs sogar noch andere mitnehmen.

„Auch ein Baum hat Hoffnung, selbst wenn er abgehauen ist, kann der Stumpf wieder ausschlagen, und neue Schösslinge grünen bald wieder“. Dieser Spruch stammt von Hiob.
Voll hoffnungsvoller Grüße, Peter.

Kongopost

Kongopost 104

Pädagogik im Kongo.
Die Lehrerinnen der Schule für Straßenkinder schreiben schon mal von ihren Problemen. Da habe ich geschrieben, dass es hier auch Problemkinder gibt und habe von Eltern berichtet, die über ihr Kind nicht nur traurig sind.
Directrice Fifi hat dann aus dem Kongo geschrieben:

Deine Geschichte hat mich richtig traurig gemacht. Mit den Händen können wir ja kein Kind festhalten, aber mit unserm Glauben und mit unserm Gebet. Gott hört uns doch, und er sieht auch den Jungen von dem du da schreibst. Ganz neu wird er mal zurückkommen, wie der verlorene Sohn in der Bibel. Sag diesen Eltern, dass sie für ihr Kind nie die Hoffnung aufgeben sollen. Bei Gott ist wirklich Hilfe.

Die wilden Straßenkinder in unserer Schule haben alle ganz unterschiedliche Probleme. Vor zwei Jahren hatten wir Josephine, die immer genau das Gegenteil von dem machte, was sie sollte.
Sie stritt mit den anderen Kindern und beschimpfte uns Lehrerinnen ganz schlimm. Mado wollte sie nicht mehr in ihrer Klasse haben, aber Fatou liebte Josephine irgendwie und ich konnte ihr auch nicht wirklich böse sein.
So haben wir alles getan, dass sie trotz allem doch noch etwas Schreiben, Lesen und Rechnen lernt. Zudem haben wir immer wieder für sie gebetet.
Und Gott hat ihr nachher wirklich geholfen, denn sie bekam in einem der kleinen Restaurants eine Arbeitsstelle. Da hat sie allerdings auch nur Quatsch und sich unbeliebt gemacht. Aber ihr Chef mochte sie trotz allem, denn sie war nicht faul und sie konnte sogar rechnen.
Als der Chef dann mal verreisen musste, hat er ausgerechnet Josephine als seine Vertretung eingesetzt, weil sie als einzige die Kasse führen könnte.
Als er zurückkam, fand er die Kasse in Ordnung, aber Josephine hatte zwei Mitarbeiterinnen entlassen. „Die haben mir nicht gehorcht, darum habe ich sie rausgeschmissen“, war ihr Argument. Auf die Frage, warum die denn ungehorsam waren, antworteten die: „Josephine macht doch auch nur was sie will und passt sich keinem an. Man kann doch niemand gehorchen, der selbst ungehorsam ist!“
Das hat Josephine getroffen, und sie hat sich zuerst bei ihrem Chef und dann, der Reihe nach, bei allen Kollegen entschuldigt.
Und gestern ist sie zu uns in die Schule gekommen und hat uns um Vergebung für alle ihre Bosheit gebeten. Zuletzt haben wir alle zusammen vor Freude geweint und haben nachher Gott gedankt, dass wir Josephine nicht haben fallen lassen. Ihr Leben wäre ja für immer verdorben worden.

Gott hat unsere Herzen gesehen und unser Gebet erhört, und es gibt jetzt schon mehrere Menschen, die Josephine echt lieb haben.
Ich Fifi.