Blöömscher

gräslich

Der Herbscht brachte mir Gräser ins Haus, Frischgrünes Zypergras Cyperus eragrostis.
Weil wie üblich nicht viel Platz ist in meinen vier Wänden (und ab Oktober sowieso nicht, weil dann die Amaryllis-WG vom Außenfensterbrett ins Treppenhaus umzieht, was jedes Jahr eine grüne Völkerwanderung zur Folge hat), habe ich sie in zwei Töpfen untergebracht und im Wohnzimmer ans Westfenster gestellt, wo sie mir zusammen mit Rufus dem Bärtigen eine Sichtschutz-Hecke bilden. Von April bis Oktober stehen da Erdbeeren, außen natürlich, aber dann kann ich das Rollo nicht runterlassen, das ist im Spät- und Frühjahr zu kalt. Die Erdbeeren vegetieren dann im Garten weiter. (Neenee, wenn ich Völkerwanderung sage, sind das nicht zwei Pflanzen, die den Standort wechseln…)

Ich bin kein ausschließlicher Sukkulentenfreund, aber die sind es in der Hauptsache, die sich in den letzten Jahren bei mir durchgesetzt haben – neben etlichen Phalaenopsis. Alles Pflanzen, die tendenziell nicht so nah am Wasser gewachsen sind. Luftfeuchtigkeit ist okay, aber die Gießkanne brauchen sie nicht so. Da muss ich mich jetzt richtig dran gewöhnen, dass die Papirossi gerne in einer Pfütze stehen möchten.
Eigentlich sind sie nichts fürs Wohnzimmer, aber draußen kann ich sie ja auch nicht lassen.

Anspruchsvoll hin oder her, sie sehen wunderschön aus.

Lesestoff

darf ich sie nun lieben?

In diversen Ratgebern und Seminaren übers Schreiben von Belletristik habe ich gelernt, dass es fürs Gelingen des Werks unabdingbar ist, dass der Autor seine Hauptpersonen nicht liebt; mehr noch, er muss ihnen alles Schlechte der Welt zufügen. Die Krönung der Geschichte ist, wenn der tragische Held am Schluss erschossen wird (o.ä.).
Ich fand diese „Schreib-Weise“ immer schlimm, aber wenn das Gelingen davon abhängt?
Also habe ich mir beim nächsten Start eines neuen Projekts mehr Mühe gegeben oder im bereits begonnenen Werk Szenen geändert und so weiter. Aber Spaß hat es nicht gemacht.
Das Leben meiner Hauptpersonen besteht längst nicht bloß aus Sonnentagen; sie haben ja ein ziemlich normales Leben, aber es muss doch immerhin ein Leben bleiben. Außerdem hatte ich sie erfunden – wie kann ich einer meiner Erfindungen Pest, Cholera und Haarausfall auf den Hals wünschen?

Jetzt habe ich ein Interview mit Jan Seghers gelesen zu seinem nicht mehr so neuen Roman „Menschenfischer“, dem 6. Fall von Kommissar Marthaler und bin sehr erleichtert. Er mag seinen Marthaler (ich übrigens auch, zumindest den aus den Verfilmungen – Matthias Koeberlin ist einfach toll). Herr Seghers ist ein ziemlich erfolgreicher Schreiberling. Das heißt, es geht. Man darf seine Hauptpersonen lieb haben.
Puh.
Hier geht es zum Interview beim Rowohlt Verlag.

alles, was nirgends sonst reinpasst

heute-show vom 11.10.2019: Sinnlose Hartz-IV-Weiterbildungen

… geahnt hab ich es, aber ich hatte insgeheim gehofft, dass es nicht so ist. Mein Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit* kriegt Provision, wenn er mich in eine Maßnahme steckt, egal ob die mir was bringen wird oder nicht.
Wahrscheinlich kriegt meine SB im Jobcenter Provision, wenn sie mich so ätzend durchleuchtet (doch, echt: bis mir das Fleisch von den Knochen fällt), bis sie irgendwann herausfindet, dass ich „wie alle anderen“ das AAmt bescheiße.

(*= unterscheide: Agentur für Arbeit vermittelt Arbeitsstellen, Jobcenter zahlt Geld aus. Ich wäre für eine Umbenennung: Agentur für keine Jobs und Center für wenig Geld. Oder das Jobcenter in „Agentur für Geld“ umbenennen und die Agentur für Arbeit in „No-Job-Center“)

Nachlesen kannst du das alles auf der Seite der ZDF-Mediathek/Heute-Show und in nachfolgend eingebetteten Links.
Dem System Hartz4 kann man wohl nur mit einem sehr dicken Fell entkommen.
Oder mit Jesus. (Psalm 23: finsteres Tal und so)

Fernweh

Das lag nur an den Gießkannen

Am fünften Tage schuf Gott der Herr das Vieh und die wilden Tiere des Waldes und der Steppen. (1. Mose 1,24+25) An meinem fünften Inseltag hatte ich hingegen das Gefühl, er hätte gerade eben den Wind erfunden und müsse sich noch ein paar mal an seinem Sausen und Brausen erfreuen, bevor er sich anderen Dingen zuwenden könne.
Die sonstigen Zutaten des Tageswetters waren: viele Wolken, Sonne und gelegentliche Regenschauer, dazu war es recht kühl. Definiere „kühl“: nicht so kalt, dass ich eine lange Hose angezogen hätte.
Vom engagierten Dauerregen war der Strand von Pfützen übersät, weil ich jedoch vortags viele Schritte getan hatte, fuhr ich mit dem Rad zum südlichen Ende der Promenade und testete zuerst mal, wie viele Krümel in einen Spatz passen.

Ich habe keine Kenntnis im Auseinanderhalten von Spatzen, bis auf den Unterschied zwischen Herr und Frau Spatz, aber dieses Spatzenmädchen vom letzten Bild war die ganze Zeit da, und es war am schnellsten von allen. Sehr viele Krümel passten rein.

Ich liebe Gottes Himmelskaleidoskop – er tippt es mal kurz an und alles sieht wieder ganz anders aus.

Die Flut war sehr hoch, man kann es an Borkums „Premiumstrand“ erkennen.

Im mittelrechten Bildhintergrund siehst du ein Gestell aus den Wellen ragen – es gehört zu einer Surfschule, die man normalerweise auch bei Flut trockenen Fußes erreicht.
Als Standard-Festländer wundert man sich dann natürlich, woher auf einmal das ganze Wasser kommt, „normalerweise“ ist es ja auch nicht da?
Sei getrost, ich habe die Lösung mithilfe meiner präzisen Beobachtungsgabe herausbekommen.

Leere Gießkanne = Wasser ausgeschüttet.

Leider war es zu spät zu ermitteln, wer für den Unfug verantwortlich war.

Fernweh

konturlos bis 74

Bei blauem Himmel kann fast jeder „schöne“ Fotos machen, aber das ist nichts für mich. Ich will Kontraste, finstere Wolken und eine gewisse Dramatik. Der dritte Inseltag präsentierte sich wolkenverhangen und mit mehr Wind als der vorige; eigentlich gute Zutaten für Gottes Himmelskaleidoskop. Und dennoch war irgendwie noch nicht die richtige Fotostimmung aufgekommen.

Interessante Komposition. Aber nicht das, womit ich die Festplatte meines Handykameraden füllen möchte 😉

Ich war während der Zeit sehr glücklich, nicht dass du denkst, meine Ansprüche seien in allen Bereichen des Lebens so hoch. Kilometerlang bin ich am Strand herumspaziert und habe mich dabei jeden Tag im selben kleinen Areal bewegt. Über große Ziele und damit verbundene Gewaltmärsche wie „geh doch noch mal um Hoge Hörn drumrum“ hatte ich gar nicht erst nachgedacht.
Erfreulicherweise dauerte es nicht bis zum Foto Nr.178, bis ich endlich den ersten „richtigen“ Blick erwischen konnte. Beobachte selbst die Unterschiede zwischen denen oben und diesem.

des Rätsels Lösung: reflektierendes Gegenlicht.
auf einmal ist Dynamik drin, von mir bis zum windgebürsteten Horizont und weiter in den Wolken.

Ab da gab es kein Halten mehr, wie du dir vielleicht vorstellen kannst.

Als ich irgendwann wieder festen Boden unter den Füßen wählte, verzogen sich die Wolken. Auf der Promenade begegnete mir diese Jungmöwe im Stechschritt.

Diese Silbermöwen-Teenies sind Nervensägen. Wenn sie ihre Eltern sehen, betteln sie die ganze Zeit nach Futter und quieken dabei, dass man denkt, irgendwas müsste mal dringend geölt werden.

Weitere Kontraste und Auswirkungen eiliger Luft bekommst du in der Zusammenfassung des vierten Inseltags zu sehen.

Fernweh

Schildkröten und Horizontitis

Diese spezielle Lampe hängt in dem Wohnzimmer, das ich während meines Urlaubs bewohnen durfte. Das Zimmer ist von oben bis unten und an allen Wänden dunkel-petrol gestrichen, was du siehst, ist also keine Fehlfarbe, die das Handy eingefügt hat. Der Wohnzimmerhauptbewohner hatte nach zehn Jahren mit Saisonarbeitsverträgen zwischen lauter weißen Wänden Bock auf Farbe. Zum Glück hat der Raum zwei große Fenster, sonst käme man sich wohl vor wie in einem Schuhkarton.
Ich habe mein Handy noch immer nicht mit einer integrierten Wasserwaage optimiert, das sieht man prima an diesem Foto. Ich nenne das Problem Horizontitis, was absichtlich nach einer Krankheit klingt.
Halte deinen Bildschirm bitte entsprechend schief, sonst läuft ja das ganze Meer aus.
Ich liebe es, wenn das Licht grell und hart wie aus einem Schacht auf die Wasserfläche trifft und alles drumherum dunkel liegt. Es war das erste der Art, das mir im Urlaub gelungen ist. Zum wirklich guten Foto müsste noch mehr Ordnung am Himmel herrschen (nicht so ein Wolken- und Helligkeitsdurcheinander).
Schäfchenwolken, pöh! Hier siehst du, sehr zentral und grau hervorgehoben, eine Schildkrötenwolke.
Das einzige Panoramafoto, das etwas geworden ist. Die anderen sind beim Rendern abgestürzt, vielleicht war zu wenig Platz auf der SD-Karte.
Hier erkennst du besonders eindrücklich die Erdkrümmung. (Das Foto ist nicht an Horizontitis erkrankt: die äußert sich nur schräg und nicht leicht wellig.)
Bereits zu dem Zeitpunkt (erster kompletter Urlaubstag auf der Insel) wusste ich, dass alles im grünen Bereich ist. Das bin nämlich ich: so sehe ich aus.
Das gleißend Weiße sind übrigens meine Füße, die bis dahin kaum einen Sonnenstrahl abbekommen hatten. Eingedenk der Tatsache hatte ich sie kurz zuvor mit Sonnencreme eingeschmiert, sodass sie sogar leicht bläulich wirkten.

Beim nächsten Mal kriegst du ausgewählte Fotos vom zweiten Inseltag zu sehen.

Lesestoff

Püree und Privilegien


„Was soll ich euch denn heute kochen?“
Er grinst. „Ich hatte mich nicht getraut, schon wieder vom Essen zu reden. Marek will bestimmt irgendein Gemüse … Möhrchen und Erbschen oder so … und Kartoffelpüree. Grazyna hat den übrigens immer mit Schlagsahne gemacht. Tust du das auch?“
„Wen hat sie mit Schlagsahne gemacht?“
„Den Püree.“
Das Püree“, korrigiere ich lächelnd. „Und ich mache es nicht mit Schlagsahne, schließlich will ich es auch essen.“ Zur Erklärung klopfe ich auf meinen Bauch.
„Ich hätte schwören können, dass es der Püree heißt. Tja. Ich hab keine Ahnung vom Kochen und Grazyna hat immer der-die-das durcheinander geschmissen, das hab ich jetzt davon. Schorsch sagt übrigens, dass man das Püree durchaus mit Sahne machen kann, ohne deswegen dick zu werden. Das liegt nämlich gar nicht am Fett, sondern an den Kohlehydraten.“
„Verschon mich bitte mit solchen Sportlerweisheiten.“
„Er kennt sich echt mit Ernährung und Abnehmen und dem Kram aus. Bevor Lennart geboren wurde, hat er noch fast doppelt so viel gewogen. Übrigens wäre es bis vor einem Jahr gut für ihn gewesen, einen Unternehmensberater zu haben. Er war nämlich selbstständig und ist pleite gegangen, mit zuerst richtig viel Idealismus und jetzt richtig vielen Schulden.“
„Warum sagst du mir das? Es ist doch zu spät für ihn?“
„Damit du den Plan nicht aus dem Auge verlierst. Ich denk, du könntest da wirklich gute Dinge tun. Und es würde dir auch Spaß machen. Du magst doch diese rauen Handwerksburschen.“
„Die mir dann alle auf den Hintern hauen?!“
„Im Gegensatz zur englischen Oberschicht* wissen die meisten Handwerker, was sich gehört.“
„Niemand aus der englischen Oberschicht hat mir je auf den Hintern gehauen, ganz im Gegensatz zu dir.“
„Ja, siehste, nur ich mach das, es hat also nichts mit Handwerkern im Allgemeinen zu tun. Ich darf es allerdings, weil ich im Gegenzug eine Menge Privilegien biete, die nur du kriegst.“
„Zähl ein paar dieser Privilegien auf, damit wir von derselben Sache reden“, bitte ich amüsiert.
„Du darfst mich jederzeit flach legen, auch wenn ich halbverhungert und todmüde von der Arbeit komme. Du tust es meist nicht, was mir entgegen kommt, aber wahrscheinlich handelst du mit Berechnung, weil du nichts davon hättest, wenn ich k.o. bin.“
„Wenn das ein Privileg ist, will ich die anderen auch noch wissen. Alle.“
„Ich halte mich aus deiner Küche fern. Ich mische mich nicht in deine Geldgeschäfte ein. Du brauchst nicht auf Handwerker zu warten, wenn hier was kaputt geht. Ich fahre dich wohin du willst. Ich belustige deine Familie. Und so weiter, und so fort.“
„Aber das sind doch keine Privilegien, sondern ganz normaler Pärchenkram?“
Er grinst. „Es klingt aber besser, wenn man von Privilegien spricht.“


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*= die Sache mit der englischen Oberschicht ist zuvor erörtert worden, leider warst du nicht dabei

Heiße Liebe!

fließend.

Mein Klo war verstopft. Das geschieht selten, da außer meinen Verdauungsrückständen und Klopapier nichts hinein kommt, aber es gibt da diese Wasserspartaste, und die verleitet mich oft, genau das zu tun: Wasser zu sparen. Na ja, und dann ist irgendwann mehr Masse im Rohr als das wenige Wasser bewegen kann und dann bewegt sich halt nichts mehr.
Der erste Weg ist gründliches mehrfaches Abspülen, der zweite führt zum Rohrfrei und wenn das auch nicht zum gewünschten Ergebnis führt, frage ich den Vermieter um Hilfe. Ich besitze nämlich keinen Pümpel und die weiteren Schritte sind mir zu fies.
Aber der Mensch war nicht da und ich kippte über Nacht zwei weitere Portionen Rohrfrei ins Klo. Normalerweise löst das den Stau. Diesmal nicht. Ich-weiß-nicht-wieviel Wasser hatte ich schon durch den Kanal gejagt, das zwar abfloss, aber nur sehr langsam. Zu langsam.

Außerdem folgt dem einen Kaka irgendwann ein weiteres; was tun? Wenn das erste schon nicht geflutscht ist nach all dem Wasser und Rohrfrei, warum sollte das zweite irgendwas verbessern?
„Das einfachste wäre ja, wenn es durch den gesteigerten Druck abfließt“, sagte ich zu Jesus und spülte ab, ohne zu glauben, dass dieser – nach all den gescheiterten Versuchen! – höchst unwahrscheinliche Fall eintreten würde.
„Stimmt“, sagte er und schubste die Chose mit Gedankenübertragung an (ehrlich: er hat keine Hand angelegt und dem Wasser nichts befohlen, wie also sonst?), es kam Bewegung rein und das Rohr war frei.
Ich, baff: „Wie hast du das denn jetzt gemacht?“
Er: „Ich bin Handwerker, was wunderst du dich?“
Ich: „Ja, aber Zimmermann und kein Gas-Wasser-Scheiße!“
Er, schmunzelnd: „Ach wo. Die Übergänge zwischen den Gewerken sind fließend.“

Jajaja, ich weiß, dass ihm als Sohn Gottes alle Dinge möglich sind, und das sind sehr viele, wenn man mal anfängt, sie aufzuzählen. Aber wir wissen alle, dass Wissen was anderes ist als mit den praktischen Tatsachen konfrontiert zu sein.
Und apropos Tatsachen – in der Bibel ist er nach seinen Eigenschaften benannt. In Jesaja 7,14 wird er angekündigt als Immanuel, „Gott mit uns“, wenig später (Jesaja 9,5) heißt er

  • wunderbarer Ratgeber
  • starker Gott
  • ewiger Vater
  • Friedensfürst

Die Liste ist keineswegs überholt, aber aus meiner Sicht unvollständig. Weitere Namen lauten:

  • Lösungsvorbereiter
  • Möglichmacher
  • Sachen-Wiederfinder
  • Erinnerer
  • Augenblick-Nutzer
  • Immer-Zuhörer
  • Depressionen-Besieger
  • Tröster
  • Lebensretter
  • Sinnstifter
  • Wertschätzer
  • Liebster

Hast du auch noch ein paar Namen hinzuzufügen? Zögere nicht, teile sie mir mit. Ich erweitere die Liste umgehend.