Blöömscher

gräslich

Der Herbscht brachte mir Gräser ins Haus, Frischgrünes Zypergras Cyperus eragrostis.
Weil wie üblich nicht viel Platz ist in meinen vier Wänden (und ab Oktober sowieso nicht, weil dann die Amaryllis-WG vom Außenfensterbrett ins Treppenhaus umzieht, was jedes Jahr eine grüne Völkerwanderung zur Folge hat), habe ich sie in zwei Töpfen untergebracht und im Wohnzimmer ans Westfenster gestellt, wo sie mir zusammen mit Rufus dem Bärtigen eine Sichtschutz-Hecke bilden. Von April bis Oktober stehen da Erdbeeren, außen natürlich, aber dann kann ich das Rollo nicht runterlassen, das ist im Spät- und Frühjahr zu kalt. Die Erdbeeren vegetieren dann im Garten weiter. (Neenee, wenn ich Völkerwanderung sage, sind das nicht zwei Pflanzen, die den Standort wechseln…)

Ich bin kein ausschließlicher Sukkulentenfreund, aber die sind es in der Hauptsache, die sich in den letzten Jahren bei mir durchgesetzt haben – neben etlichen Phalaenopsis. Alles Pflanzen, die tendenziell nicht so nah am Wasser gewachsen sind. Luftfeuchtigkeit ist okay, aber die Gießkanne brauchen sie nicht so. Da muss ich mich jetzt richtig dran gewöhnen, dass die Papirossi gerne in einer Pfütze stehen möchten.
Eigentlich sind sie nichts fürs Wohnzimmer, aber draußen kann ich sie ja auch nicht lassen.

Anspruchsvoll hin oder her, sie sehen wunderschön aus.

Blöömscher

die kleine Zimmergärtnerei

Schon lange mussten meine beiden alten Clivien (Mutter und Tochter, aber ich kann nicht mehr bestimmen, wer älter ist) mal umgetopft werden. Allerdings hatte ich keine Lust, einen noch größeren Bottich zu besorgen, irgendwann steht meine Wohnung voller schwerer Blumenkübel und was, wenn ich noch mal umziehe oder die Pflanzen kaputt gehen? Wer soll die dann runter tragen?
Irgendwann aber drängelten die Clivien derart, dass es zu eng sei im Topf (warum hatten sie dann noch fünf Kindel gemacht, das weiß eine Pflanze doch? selbst schuld), dass ich dem Gejammer nachgab. Ich habe drei Yucca, ebenfalls DNA-gleich, in einem recht großen Kübel und hatte gehört, dass die Palmen gerne eng zusammen stehen. Was lag näher als die beiden Töpfe zu tauschen?
Da siehst du die grünen Mitbewohner im noch sauberen Wohnzimmer.

Zuerst nehme ich eine Menge Erde aus dem viereckigen Kübel. Das geht ganz gut, da ich die Yucca eine Weile nicht gegossen habe. Dann ein kräftiger Ruck – ähm, wie halte ich mit zwei Händen drei Palmen fest? Ziemlich viel Erde landet auf dem Boden, bevor ich sie da raus habe. Die Wurzeln haben sich zu einem Geflecht verbunden, trotzdem kippt ständig die eine um, die ich gerade nicht festhalte. Natürlich passen sie nicht in den extra bereitgestellten Eimer! Und nein, sie wollen auch nicht ohne Topf stehen bleiben!
Hingegen ist die Clivie kaum aus ihrem Topf zu bekommen, obwohl keine Wurzel unten raus gewachsen ist. Dafür fällt nur wenig Erde auf den Boden (Kunststück, es ist kaum noch welche drin) und sie steht alleine.

Jetzt, wo die Töpfe leer sind, habe ich doch Zweifel an meinem Plan. Der viereckige ist sehr viel größer und der runde für drei Yuccas recht eng. Aber den ganzen Dreck umsonst im Wohnzimmer verteilt haben? Niemals! Weiter im Plan.
Ich versuche die drei jüngsten Clivienkindel mit Wurzeln zu entfernen, um Freunde mit neuen Zimmerpflanzen zu beglücken, aber keine mag sich von den zwei großen und zwei etwas kleineren trennen. Also mache ich kurzen Prozess (mit dem Messer). Ich hoffe, da wächst nicht sofort was nach. Mengenweise Erde schütte ich in den neuen Kübel, richte die Clivie aus, ziehe sie höher, damit Erde auch unter den Wurzelballen gelangt, korrigiere rundum den Abstand zur Kübelwand, noch mehr Erde, noch mehr und noch mehr. Endlich ist der Bottich voll und die Cliviengesellschaft steht stolz im neuen Domizil.

Nun zur Yucca. Sie verweigert sich nicht nur dem oben erwähnten Eimer, sondern auch dem neuen Topf. Ich schneide alte Wurzeln ab, bis sie rein passt. Erde drunter, Erde drüber – he, wieso ist jetzt die Erde alle? Wie kann das gehen? Die Menge und Größe der Töpfe sowie die der Pflanzen ist doch gleich geblieben!

Ein in Griffweite liegender Draht und ein dicker Stein halten die Palmen in Position. Ich gehe in den Keller, um den halbvollen Sack Blumenerde zu holen, der da steht, seit ich im Mai den Kübel vorm Haus gefüllt habe. Gut, dass ich ihn nicht in den Garten mitgenommen habe!
So kommt die Yucca zu einem sehr seltenen Genuss: frische Blumenerde! Sonst kriegt sie immer nur die Reste, wenn ich zB eine Pflanzschale geschenkt bekomme und die Blümelein als erste Amtshandlung in separate Töpfchen setze (diese Floristen, ein Pack! sie achten nicht auf die Bedürfnisse der Pflanzen, sondern kombinieren sie nach Blütenfarbe oder anderen Kriterien). Genauso habe ich auch schon viel Erde entnommen, wenn eine Pflanze mal Bedarf hat.

Nun stehen sie beide wieder glücklich in meiner Wohnung rum.

Sauber gemacht hab ich inzwischen auch.

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umtriebige Gesellschaft

Den Zusammenhang zwischen meiner psychischen Gesundheit und dem Zustand meiner Pflanzen hatte ich schon im alten Vorgarten mal erwähnt. Im Oktober ist das wieder passiert. Die Depressionen haben mich gerüttelt und geschüttelt und ich war zu sehr wenig in der Lage. Deswegen dauerte ja auch der großartig angekündigte Vorgarten-Umzug so lange.

Eine Weile hatte ich meine Phalaenopsis nicht genauer angesehen, nur nach Gefühl Kleinstmengen Wasser hineingegeben und öfters mal gesprüht. Offensichtlich ist das gar nicht schlimm für sie. Hier kannst du die treibende Kraft im Orchideenfenster ansehen. Es ist, als wollte sie mir Mut machen, dass der Weg aus der Krise bald geschafft sei.

(zugegeben, die neuen Triebe kann man nicht immer gut erkennen. Manche sind noch sehr klein.)

Diese acht von insgesamt elf Phalaenopsis wollen mir demnächst ein Blütenfest im Spätherbst bereiten, wenn das keinen Auftrieb verschafft!