Teil 2 der angekündigten Serie
Ich habe lange meine eigene Erzählung vom männergewaltfreien Leben geglaubt – das ist ja auch total praktisch, die miesen Erlebnisse sind fest weggesperrt und du machst dir nix draus, denn sonst bist du angreifbar und ein Opfer, und wer will das schon sein??!!
Jedoch beim Orange Day letztes Jahr (das überhaupt erste Mal, dass ich der Veranstaltung beiwohnte) brach die Wahrheit sich Bahn.
Ich war mit einer überparteilichen FLINTA*-Gruppe unterwegs, und auf unserem Stand lag neben allerhand Aufklebern, Prospekten und anderem Werbematerial ein Ringblock herum aus schwarzer Pappe (wie ein Fotoalbum) mit Lackstiften und man/frau durfte geschlechtsspezifische Gewalterfahrungen hineinschreiben.
Ich schlich ein paar Runden drumherum. Eine Frau sah das und gab es mir mit freundlicher nonverbaler Aufforderung. Ich wollte mich erst an den anderen Einträgen inspirieren lassen, aber sie blätterte die nächste leere Seite auf und ließ mich damit alleine.
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Wir waren sehr verliebt. Ich 15, er 21. Vorher hatte er gesagt, nein, direkt am Anfang wolle er keinen Sex, man könne sich auch anders kennen lernen.
Ich habe ihm geglaubt, er war mein erster Freund.
Als ich bei ihm zu Besuch war, drängte er mich ins Bett, zog mich aus, ich wollte nicht.
„Wenigstens mit dem Finger“, wollte er mich entjungfern. Ich wollte nicht, da sagte er: „Dann können wir nicht mehr zusammen sein“, und warf mich raus.
Meine Mutter hat nicht verstanden, warum ich vier Tage um meine erste Liebe getrauert habe – ich hatte ihr allerdings aus Scham nix weiter erzählt.

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Ich habe jetzt schon wieder eine Hürde überwinden müssen, um das aufzuschreiben und den Verrat bekannt zu geben, das missachtete „Nein heißt Nein“ und die fast vollzogene sexuelle Gewalt an einer Minderjährigen. Ich weiß nicht, ob ich die Serie tatsächlich im Januar schaffe, aber ich bleibe dran.
