Elefanten abzugeben!

Vor zwei Jahren machte der Präsident von Botswana auf sich und ein Problem seines Landes aufmerksam: er wollte Deutschland 20.000 wilde Elefanten schenken. Als ich gestern die Meldung mit den drei Elefanten las, die den Wuppertaler Zoo verlassen werden, fiel mir all das wieder ein.

Eigentlich ging es dabei um die Frage, inwieweit sich Deutschland in die Souveränität des südafrikanischen Staates einmischen darf, ohne sich wie die Kolonialherren aufzuführen – und diese Definition verlangt Fingerspitzengefühl. Was wir als diplomatisch-direkt formulierten Rat empfinden, kommt in Botswana vielleicht ganz anders an.
Die Bundesregierung hatte sich strikt dagegen ausgesprochen, Souvenirs aus Elefant ins Land zu lassen. Einem hübsch geschnitzten Schachspiel aus Elefantenstoßzahn- und Ebenholzfiguren (o.ä.) sieht man nämlich nicht mehr an, ob das Tier gewildert oder mit Abschussfreigabe erledscht wurde. Deshalb ist in Deutschland sämtliche Einfuhr verboten.

Nun ist es aber so, dass zu der stetig wachsenden Bevölkerung Botswanas auch eine stetig wachsende Elefantenpopulation kommt, da die Biester sehr lange geschützt waren, außerdem Fressfeinde fehlen sowie die Möglichkeit zu wandern – weil die Menschen eben auch immer mehr Platz brauchen, Straßen bauen und Zäune setzen, und wenn Elefanten von einer Sache nichts halten, so sind es menschengemachte Begrenzungen. Haben sie Hunger, fressen sie, egal wem das Feld gehört, haben sie Durst, leeren sie auch mal den Pool. Und ein Elefant im Garten ist vielleicht nett anzusehen, wenn er aber seine ganze Familie mitgebracht hat, hört der Spaß auf.
Ginge mir genauso.¹
Mittlerweile hat das südafrikanische Land fast doppelt so viele Elefanten wie verkraftbar wären und neben der Naturkatastrophe durch komplett kahlgefressene Landstriche werden immer mehr Dörfer verwüstet und Menschen totgetrampelt. Außerdem lässt sich der afrikanische Elefant nicht zähmen wie sein indischer Verwandter, man kann ihm nicht mal was beibringen.
Ein völlig nutzloses wildes Tier, das viel zu groß ist um es zu ignorieren.

Deshalb wollte Botswana seine Plage so bekämpfen: ein Teil wird in Schutzgebiete anderer Länder gebracht, die zu wenige Elefanten haben. Und ein Teil wird abgeschossen wie andernorts Fuchs, Fasan und Fildschwein.² Das bringt mal ganz andere Leute auf die Idee, in Botswana Urlaub zu machen – private Großwildjäger, die ihre Leidenschaft offen ausleben dürfen. Bis jetzt geht das nur schwarz, schwarzer Kontinent hin oder her. Deshalb die Sache mit der strittigen Souvenirsouveränität: Die Jäger sollen ja den Kopf der Bestie ausstopfen und daheim übers Sofa hängen dürfen, wenn ihnen danach ist.
„Und wenn ihr uns mit unseren Elefanten nicht tun lasst, wie wir wollen, nehmt sie bitte mit und seht zu, wie ihr damit klar kommt.“

Natürlich hat die Aussicht vom Leben mit der neuen Wildtierart (dochdoch: sie sind wilde Tiere, deshalb sollen sie hier so wild und frei wie zuhause leben!) sofort meine Fantasie befeuert. Zukünftig röhrt im Herne Wester Barock nicht mehr der Hirsch von der Wohnzimmerwand, stattdessen steht ein Elefant im viel gelobten Deutschen Wald!³

Allerdings steht er ja nicht nur herum oder schaut sich die neue Heimat an, er frisst und gestaltet seine Umwelt nach Elefanten-Art. Da freut sich der Waldbesitzer! (nicht)
Schwierig wird es auch im Winter, denn ein Elefant ist bekanntlich kein Mammut, er wird frieren! Dieses schreckliche deutsche Wetter! Wenn wir nicht wollen, dass die großen Grauen unsere paar Grad wärmeren Innenstädte besetzen, müssen wir Mäntel in entsprechenden Ausmaßen bereithalten. Mit etwas Vorbereitung ist das aber alles kein Problem, 20.000 Elefanten kommen ja nicht über Nacht, selbst wenn der Präsident von Botswana das will.

¹ was hat das mit den Wanderungen zu tun? Normalerweise wandert der Elefant, damit er seine Lebensgrundlage nicht kaputtfrisst. Heute hier, morgen da, nächste Woche tausend Kilometer entfernt. Kann er nicht wandern, weil die Routen der Vorfahren versperrt werden und das Wanderland zugebaut ist, ist irgendwann alles weg, und dann geht er zu den Feldern der Menschen.
² was sagst du da? Eine Alliteration ist es nur, wenn alle Wörter mit demselben Buchstaben anfangen? Tun sie doch, was regst du dich auf?
³ die schönen Bilder hat mir übrigens eine KI gemacht (und ich Eumelin hab vergessen ihren Namen aufzuschreiben). Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde die Verständigung immer besser. Seltsam nur, dass in der Fachwerkromantik der Elefant rechts zwei Rüssel anstatt vier Beinen hat – was solls, KI lügt halt bei jedem vierten … Bein.

Quellen: WDR und Ruhr24.